Am Montag wurde der Mörder von Ludwig Moritz (nicht rechtskräftig) in Leoben (Steiermark) zu lebenslanger Haft verurteilt und wegen seiner Gefährlichkeit eingewiesen. Für die Schwestern des 49-Jährigen das Ende eines langen Leidensweges. „Wir wollen, dass Ludwig endlich Frieden findet! Und dass der Täter nie wieder frei kommt.“
Die beiden Murtalerinnen sitzen am Montag beim Mordprozess im Schwurgerichtssaal im Straflandesgericht in Leoben in der ersten Reihe. Sie möchten und müssen alles hören. Während die eine Schwester den ganzen Gerichtsakt nahezu auswendig kennt, hat die zweite Schwester noch nichts gelesen oder angeschaut.
„Um abzuschließen, hilft es mir alles zu wissen“
„Ich habe das nicht geschafft. Es ist zu hart. Alleine hier zu sein, ist schon so eine Überwindung.“ - „Mir gehts es genau anders“, sagt die andere im Gespräch mit der „Steirerkrone“ in einer Pause. „Es hilft mir, abzuschließen, wenn ich alles weiß.“ Sie hat sich auch die Tatortfotos mit der Leiche angesehen, die den Zuschauern im Gericht erspart geblieben sind. „Aber so weiß ich auch, wo er gelegen ist, wie er gelegen ist und wie er ausgesehen hat. Es bleiben keine Fragen offen. Und das ist wichtig für mich.“
Während der Befragung des Angeklagten sieht man, wie schwer es für die beiden Steirerinnen ist, wie sehr sie leiden. Immer wieder legen sie fassungslos eine Hand an den Mund. Sie können fast nicht glauben, wie eiskalt der 25-Jährige über den Mord an ihren geliebten Bruder spricht.
„Er hat immer allen geholfen“
„Er war so ein lieber, gutmütiger Mensch. Er hat immer allen geholfen. Zumindest so weit es mit seiner spastischen Behinderung ging“, erzählen sie. Als ein Jahr vor der Tat ihre Mutter starb, war der 49-Jährige plötzlich allein in der Wohnung. „Da hat er die Mutter des Angeklagten kennengelernt. Sie wohnt im selben Haus. Sie hat ihn aber nur ausgenutzt“, sind die Schwestern überzeugt.
Foto zum Prozess mitgebracht
Davor hatte der Steirer noch nie eine richtige Freundin. „Und dann musste das so enden.“ Liebevoll blicken beide auf das gerahmte Foto von Ludwig, das sie ins Gericht mitgenommen haben. Und ein Herz aus Holz. „Da ist ein bisschen von seiner Asche drinnen. Wir wollten, dass er dabei sein kann.“
Der Wunsch der Frauen war Gerechtigkeit. Gerechtigkeit für das, was der 25-jährige Angeklagte ihrem Bruder angetan hat. Das Urteil empfinden sie als Genugtuung. „Dafür haben wir gekämpft. Jetzt kann Ludwig endlich Frieden finden. Und der Täter kommt hoffentlich nie wieder frei!“
Chance auf Schmerzensgeld bei null
Vom Gericht wurde den Schwestern außerdem 10.000 bzw. 12.000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen, die der 25-Jährige zahlen soll. Hört sich nach einer schönen Summe für ihre erlittenen psychischen Schmerzen an. Doch die Chance, dass die Steirerinnen davon auch nur einen Cent sehen, ist quasi bei null..
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