Auch in den Ordensspitälern gibt es schon lange keine „heile Welt“ mehr. Jetzt starten die Vertragsverhandlungen und die Betriebsräte haben einen Kurs vorgegeben: ordentliche Lohnerhöhung und schrittweise runter mit der Arbeitszeit.
Jedes zehnte Bett gesperrt, lange Wartezeiten und immer weniger Personal. „Das wird auch noch einige Zeit so bleiben. Gesperrte Betten sind die einzige Möglichkeit, wie wir unser noch vorhandenes Personal vor Überlastung schützen können“, blickt Erwin Deicker, Zentralbetriebsrat der Barmherzigen Brüder Linz, in die Zukunft.
„Müssen attraktiver werden“
Die Ordensspitäler stellen in Oberösterreich rund die Hälfte der Spitalsbetten zur Verfügung. Doch der Personalmangel ist auch in den Orden das bestimmende Thema. „Wir müssen attraktiver werden, und da ist auch die Politik gefordert. Quer durch alle Bereiche fehlen uns Mitarbeiter“, so Deicker. Denn neben dem bekannten Mangel an Pflegern würde etwa auch in den Bereichen Technik, Reinigung, Küche und Verwaltung Personal fehlen. Damit es zumindest in Zukunft wieder attraktiver wird, im Krankenhausbereich zu arbeiten, bereiten sich die Betriebsräte aktuell auf die kommenden Kollektivvertragsverhandlungen vor. Deicker wird dabei als Verhandlungsleiter für OÖ eine zentrale Rolle einnehmen.
Arbeitszeitreduktion
„Jedes Bundesland verhandelt den Kollektivvertrag selbstständig. In Oberösterreich fordern wir eine ordentliche Lohnerhöhung - deutlich über der Inflationsrate - und eine schrittweise Arbeitszeitreduktion auf 35 Stunden“, zeigt er sich kämpferisch. Die Arbeitszeitverkürzung sei deswegen so wichtig, weil das Krankenhauspersonal mehrheitlich weiblich sei und die Teilzeitquote jetzt schon „bei annähernd 70 Prozent“ liege. Auch bei den Zulagen - etwa für Wochenend- oder Nachtdienste - gehöre ordentlich nachgebessert. Die Betriebsräte hatten jedenfalls bereits ihre erste Vorbesprechung, übermitteln jetzt an ihre Verhandlungspartner mögliche Termine. Im November/Dezember wollen sie für die annähernd 13.000 Mitarbeiter die Gespräche starten.
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Klatschen zahlt keine Miete
Die Mitarbeiter in den Spitälern waren während der Corona-Pandemie die Helden der Nation. Während andere zu Hause im Lockdown saßen, schufteten sie rund um die Uhr. Unter schlimmsten Arbeitsbedingungen versuchten sie, Leben zu retten und das Gesundheitssystem vor dem totalen Kollaps zu bewahren.
Doch wie die Krankheit selbst scheinen auch diese Glanztaten vergessen zu sein. Wobei - vom Zuklatschen kann das Krankenhauspersonal die steigenden Mietkosten ohnehin nicht bezahlen. Dazu braucht es eine angepasste und faire Bezahlung für alle (!) Mitarbeiter.
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