21.02.2012 14:26 |

Wegen Klimawandel

Haustier-Parasiten plagen jetzt auch Meeressäuger

Nicht nur die zunehmende Verschmutzung ihres Lebensraumes und das Verschwinden ihrer Nahrung machen Meeressäugern wie Robben, Seelöwen und Walen zu schaffen, wie ein kanadischer Wissenschaftler herausgefunden hat. Neuerdings erkranken die Tiere zunehmend an Parasiten und Krankheiten, die normalerweise Ziegen, Kühe, Hunde und Katzen befallen. Schuld daran ist auch der Klimawandel.

Andrew Trite, Leiter der Marine Mammal Research Unit an der Universität von British Columbia untersucht seit Jahren tote Meeressäuger, die an der kanadischen Küste angespült werden. Die Entdeckung, dass die Tiere an Krankheiten und Parasiten verendet waren, die normalerweise Haustiere befallen, schockierte ihn. "Die Tiere sterben einfach weg", so der Meeresbiologe gegenüber der Nachrichtenagentur AFP auf der Wissenschaftskonferenz der American Association for the Advancement of Science in Kanada am Montag. "Es ist schrecklich, wie stark die Zahl der angespülten Tiere zugenommen hat."

Lisa Levin von der Scripps Institution of Oceanography in La Jolla, Kalifornien, betont, dass die zunehmende Erwärmung der Meere mit ein Grund für die Zunahme von Kohlendioxid und Abnahme von Sauerstoff sei. Dadurch können sich auch Organismen im Meer ausbreiten, die normalerweise dort nicht leben, wie zum Beispiel Toxoplasma gondii, der normalerweise Katzen befällt und die bei Schwangeren gefürchtete Toxoplasmose auslösen kann.

Immunsystem der Meerestiere ist machtlos
Das Immunsystem der Meeressäuger sei gegenüber den neuen Parasiten und Keimen machtlos, wie Trite erklärt: "Toxoplasma gondii führt bei Meeresäugern häufig zu Fehlgeburten und schädigt auch das Immunsystem des Muttertiers." Ins Meer gelangen die Erreger hauptsächlich durch Abwässer.

Doch nicht nur in Kanada wurde ein Rückgang des Lebens im Meer beobachtet, sondern auch in anderen Teilen der Welt, wie Forscher berichten. "Schon seit Jahren registrieren wir dramatische Verschiebungen im maritimen Ökosystem", so Jason Hall-Spencer von der Plymouth University. "Und alle haben dieselbe Ursache: Die Zunahme von CO2 in den Meeren. Bisher konnten wir einen Rückgang von 30 Prozent bei den Meereslebewesen beobachten."

Michael Grigg, Experte für Parasiten von den National Institutes of Health in Bethesda, im US-Bundesstaat Maryland, warnt: "Wir registieren immer mehr Todesfälle bei Meerestieren durch Toxoplasma gondii. Das könnte auch für den Menschen gefährlich werden, da wir nicht genau wissen, ob der Parasit nicht über die Nahrung von den Meeressäugern aufgenommen wurde."

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