Burg-Premiere
„Sommernachtstraum“: In der finstersten Nacht
Mit Spannung erwartet wurde der Saisonstart im Wiener Burgtheater mit William Shakespeares Klassiker „Ein Sommernachtstraum“: Die Inszenierung der deutschen Regisseurin Barbara Frey konnte vor allem eines: Überzeugen!
Einem Stück bis in seine tiefsten Tiefen auf den Grund zu gehen und dort - nicht in der Selbstüberschätzung der Regie - das Ungekannte, Neue zu finden: Das ist die Qualität der Schweizer Theaterzauberin Barbara Frey. Immer bezieht sie dabei ihre Erkenntnisse aus dem kompromisslos genauen Umgang mit der Sprache, die im gegenständlichen Fall dank der Textfassung von Jürgen Gosch und Wolfgang Wiens zum Atout des Abends wird.
Einen solchen „Sommernachtstraum“ sah man noch nie: ein kammerspielhaft diskretes, melancholisch dunkelndes Nacht- und Traumstück in einem toten, von fossilen Autoleichnamen bestandenen Wäldchen (Martin Zehetgruber). Hypnotisiert taumeln hier alle, die Menschen wie die Geister, durch ihr fremdbestimmtes Verhängnis. Dass mehrfach die Geschlechter vertauscht sind, lässt sich in diesem Fall jenseits dumpfer Diversitätsdiktate gut argumentieren: Im Stück fliegt dem Personal ja unablässig die eigene Identität um die Ohren.
Ein sehenswerter, schon bei der koproduzierenden Ruhrtriennale zu Recht gefeierter Abend. Der aber doch beweist, wie dünn am Burgtheater die Personaldecke geworden ist. Gewiss zeigen vor allem Sylvie Rohrer als Hippolyta und Oberon, Dorothee Hartinger (ein glänzender Puck) oder Marie-Luise Stockinger als Knabenwesen Lysander Imponierendes. Aber Markus Scheumanns Titania dringt nicht weiter als zur Transvestitennummer vor. Und auch im komischen Fach war das Burgtheater schon besser bestückt, obwohl sich Oliver Nägele und Gunther Eckes um die Rüpel durchaus verdient machen. Mit Udo Samel oder Fabian Krüger, beide sinnlos vertrieben, hätte man eine andere Liga bespielt.








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