Bernanke-Vorstoß

US-Notenbank setzt Nullzinspolitik bis Ende 2014 fort

Ausland
25.01.2012 21:24
Überraschung in Washington: Die US-Notenbank will ihre Nullzinspolitik für weitere knapp drei Jahre beibehalten und damit deutlich länger als an den Finanzmärkten erwartet. Vor Ende 2014 sei wegen der konjunkturellen Malaise der USA wahrscheinlich nicht mit einer Erhöhung des aktuell bei 0 bis 0,25 liegenden Leitzinses zu rechnen, teilte die Fed mit.

Fed-Chef Ben Bernanke (Bild) betonte am Mittwoch jedoch, die Fed wolle "kein bedingungsloses Versprechen" abgeben, wie lange sie den Leitzins tatsächlich noch so niedrig halten wird. Alles hänge davon ab, wie schnell die Konjunktur wieder rund laufe. Und selbst in diesem Fall wären die aktuell niedrigen Zinsen seiner Ansicht nach weiterhin sinnvoll. Auch weitere Anleihenkäufe seien denkbar, sollte die Erholung zu lange dauern. Der Dollar gab wegen der Aussicht auf weitere Jahre mit sehr niedrigen Zinsen zum Euro nach, während die Kurse von US-Staatsanleihen und die Aktiennotierungen an der Wall Street etwas zulegten.

Fed-Führung gespalten
Bernanke musste einräumen, wie gespalten die Führung der mächtigsten Notenbank der Welt ist: Bei den erstmals individuell veröffentlichten Erwartungen der Top-Notenbanker zeigte sich, dass immerhin drei der zehn Mitglieder des für die Geldpolitik zuständigen Offenmarktausschusses FOMC schon dieses Jahr gerne den Zielsatz für den Leitzins wieder erhöhen würden. Sechs Zentralbanker wollen damit allerdings bis 2015 oder sogar 2016 - und damit noch länger als die nun geltende offizielle Linie - warten.

Bislang hatte sich die Fed darauf festgelegt, den Leitzins bis Mitte 2013 auf dem gegenwärtigen niedrigen Niveau zu halten. Ein wegen des Rotationsverfahrens erst seit Anfang Jänner im FOMC vertretener Notenbanker und bekennender Gegner einer laxen Geldpolitik, der Chef der regionalen Fed von Richmond, Jeffrey Lacker, votierte gegen die extrem lange Festlegung auf das rekordniedrige Zinsniveau. Dieses hält die Fed nun schon seit Dezember 2008.

Düstere Aussichten
Die Fed äußerte sich trotz einiger zuletzt überraschend gut ausgefallenen Konjunkturdaten weiterhin pessimistisch zu Lage und Perspektiven der US-Wirtschaft. Unter anderem wegen der Schuldenkrise im Euro-Raum senkte die US-Notenbank ihre Wachstumsprognose für die US-Wirtschaft in diesem und im nächsten Jahr. Für heuer erwartet die Fed nun ein BIP-Plus von 2,2 bis 2,7 Prozent. Für 2013 rechnet die Notenbank mit 2,8 bis 3,2 Prozent Wachstum. Für 2014 erwarten die Währungshüter ein Wachstum von 3,3 Prozent bis 4,0 Prozent.

Laut Fed sei auch die Arbeitslosigkeit ungeachtet jüngster Anzeichen einer Verbesserung weiterhin viel zu hoch. Sie rechnet für die an den Finanzmärkten stark beachtete Lage am Arbeitsmarkt nicht mit einer schnellen Verbesserung. Am Ende des Jahres dürfte die Arbeitslosenquote bei 8,2 Prozent bis 8,5 Prozent liegen, hieß es. Für US-Maßstäbe ist dies eine nach wie vor sehr hohe Arbeitslosigkeit.

Erstmals offizielles Inflationsziel
Die Fed veröffentlichte am Mittwoch in einem historischen Schritt zum allerersten Mal in ihrer fast hundertjährigen Geschichte ein Inflationsziel, wie es andere Notenbanken wie die Europäische Zentralbank oder die Bank von England längst haben: Auch die Federal Reserve peilt nun langfristig eine maximale Steigerung der Preise um zwei Prozent an, ähnlich wie die EZB. Allerdings könne es durchaus Gründe geben, höhere Inflationsraten zuzulassen, sagte Bernanke mit Blick auf die übergeordneten Ziele der Fed. Diese soll im Gegensatz etwa zur EZB nicht nur auf stabile Preise achten, sondern auch für Wirtschaftswachstum und möglichst Vollbeschäftigung sorgen.

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