'Materie kompliziert'

Athen: Einigung auf Schuldenschnitt verzögert sich

Ausland
21.01.2012 13:25
Die von Griechenland angestrebte Einigung mit seinen privaten Gläubigern über einen Schuldenschnitt lässt doch auf sich warten. Die direkten Gespräche zwischen Regierung und Internationalem Bankenverband (IIF) wurden nach Angaben aus verhandlungsnahen Kreisen am Samstag unterbrochen. Die Gespräche würden am Wochenende per Telefon fortgesetzt, sodass eine Vereinbarung wohl frühestens kommende Woche erreicht werden könne. IIF-Chefunterhändler Charles Dallara und sein Sonderberater Jean Lemierre (beide im Bild) seien bereits nach Paris zurückgeflogen.

"Die Materie ist kompliziert. Es gab zwar eine Annäherung bei den Zahlen, aber es ist noch einige Arbeit zu tun", sagte ein Informant. Zuvor hieß es noch, bei den Gesprächen am Freitagabend seien deutliche Fortschritte erzielt worden, eine Einigung stehen kurz bevor. 

Die Griechen wollten eine Einigung unbedingt noch vor dem Treffen der Euro-Finanzminister am Montag unter Dach und Fach bringen, damit noch genug Zeit für eine rechtzeitige Umsetzung bleibt.

Forderungsverzicht soll Pleite verhindern
Ein vorläufiger Kompromiss würde bis auf Weiteres einen Staatsbankrott des südosteuropäischen Euro-Landes verhindern. Für die privaten Gläubiger dürfte eine Übereinkunft aber mit einem Forderungsverzicht von 65 bis zu 70 Prozent verbunden sein. Im Gegenzug sollen ihnen nach Angaben eines Bankenvertreters Staatsanleihen mit einer 30-jährigen Laufzeit und einer Verzinsung von durchschnittlich vier Prozent angeboten werden.

Die angestrebte Einigung mit den privaten Gläubigern - neben Banken sind das Versicherer und Hedgefonds - ist Teil eines 130 Milliarden Euro umfassenden Entschuldungsplans für Griechenland.

Verhandlungen mit Troika laufen
In Athen laufen derzeit auch Verhandlungen zwischen der griechischen Regierung und den Vertretern der Troika aus Internationalem Währungsfonds, Europäischer Zentralbank und EU-Kommission. Der Schuldenschnitt ist die Voraussetzung dafür, dass das Euro-Land dringend benötigte Mittel aus einem 130 Milliarden Euro schweren Hilfspaket von EU und Internationalem Währungsfonds erhalten kann. 

Ohne das Geld droht dem Land bereits im März ein ungeordneter Bankrott, wenn Staatsanleihen im Volumen von 14,5 Milliarden Euro bedient werden müssen. Die Gesamtschulden des Landes belaufen sich auf mehr als 350 Milliarden Euro.

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