18.01.2012 17:36 |

"Kannte das Risiko"

Äthiopiens Wüste wurde Todesfalle für Österreicher

Blutiger Überfall auf eine europäische Reisegruppe in Nordäthiopien: Fünf Menschen sind nach Angaben der äthiopischen Regierung getötet worden - unter ihnen ein Österreicher, wie auch das Außenministerium am Mittwoch bestätigte. Bei den weiteren Todesopfern handelt es sich um zwei Deutsche und zwei Ungarn. Einige Mitglieder der knapp 30-köpfigen Reisegruppe wurden teils schwer verletzt. Vier Personen, zwei Deutsche und zwei äthiopische Begleiter, wurden verschleppt - ihr Schicksal ist ungewiss.

Wie die "Krone" bereits am Dienstagabend erfuhr, handelt es sich bei dem getöteten Österreicher um einen Hobby-Fotografen aus Oberösterreich. Der 56-Jährige hatte offenbar immer wieder die gefährlichsten Gegenden der Erde bereist. Ein Verwandter in der "Krone": "Die Wüste Afrikas hat ihn nicht losgelassen. Er war sich des Risikos bewusst, hat es aber in Kauf genommen."

"Ausgebildete Banditen"
Der Überfall passierte angeblich im Gebiet um den Vulkan Erta Ale (Bild) im Nordosten Äthiopiens. Die Reisegruppe hatte vor, die Landschaft zu erkunden. Der Oberösterreicher wollte Fotos machen und diese später auf seine Homepage stellen. Im Morgengrauen des Dienstags dürften die Touristen dann von bewaffneten Banditen überrascht worden sein - Schüsse seien gefallen, Touristen sackten getroffen zusammen, heißt es in diversen Meldungen. Vier Personen seien schließlich verschleppt worden, den Rest ließ man tot, verletzt bzw. schockiert zurück.

Bei den Tätern soll es sich laut einem äthiopischen Behördensprecher um von der Regierung des Nachbarstaates Eritrea ausgebildete Banditen handeln. Äthiopische Sicherheitskräfte hätten dies berichtet. Eritreische Diplomaten weisen diese Vorwürfe zurück.

Krisenstab im Außenministerium
Am Mittwoch traten in Wien Vertreter von Außen-, Innen- und Verteidigungsressort zu einem Krisenstab zusammen, zeitgleich wurde die österreichische Botschafterin in das äthiopische Außenministerium geladen, um ebenfalls bei einem Krisenstab teilzunehmen. Laut Außenminister Michael Spindelegger habe sich die Reisegruppe in einem "militärischen Sperrgebiet" aufgehalten. Man versuche, die Familie des österreichischen Opfers zu betreuen und seine sterblichen Überreste nach Österreich zu bringen.

"Unsere Botschaft in Addis Abeba arbeitet gemeinsam mit der deutschen Botschaft und dem äthiopischen Militär daran, die verbliebenen Mitglieder der Reisegruppe außer Landes zu bringen", ließ der Sprecher des Außenministeriums, Peter Launsky-Tieffenthal, wissen. Die äthiopischen Behörden hätten alle nicht entführten Touristen - unter anderem auch Belgier und Italiener - an einem Ort im Norden des Landes zusammengebracht. Von dort werde der Transport in die Hauptstadt Addis Abeba veranlasst.

Dass sich ein weiterer Österreicher unter den Überfallopfern befinden könnte, wurde am Mittwoch nicht bestätigt. Viele Angaben zu dem Vorfall seien allerdings widersprüchlich - vor allem deswegen, weil in der Region selbst Satellitentelefone kaum funktionieren würden, sagen die Behörden.

Veranstalter "bedauert außerordentlich"
Der für die Tour verantwortliche deutsche Reiseveranstalter "Diamir Erlebnisreisen" äußerte sich am Mittwoch auf seiner Website: "Wie Sie den Medien entnehmen konnten, hat es in Äthiopien einen Zwischenfall gegeben. Wir bedauern diesen außerordentlich und stehen mit allen zuständigen Stellen fortwährend in engem Kontakt, um das weitere Vorgehen abzustimmen." Die Betroffenen und deren Angehörige würden betreut, sämtliche Reisen in diese Region seien abgesagt worden.

Bis zum gegenwärtigen Zwischenfall habe man keinerlei Hinweise darauf gehabt, dass die Sicherheit der Gäste in der Region infrage stehen könnte, beteuert "Diamir". Zum Zeitpunkt des Zwischenfalls habe für Äthiopien oder Teile des Landes keine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland bestanden.

Berüchtigte "Wiege der Menschheit"
Das österreichische Außenministerium hingegen hält für die Region im Grenzgebiet zu Eritrea seit 2007 eine Reisewarnung aufrecht. Diese wird laut Sprecher Launsky-Tieffenthal aber immer wieder missachtet: "Die Danakil-Senke mit ihrer marsähnlichen Oberfläche gilt als Touristenattraktion." Sie wird "Wiege der Menschheit" genannt, seit dort in den 70er-Jahren Knochen eines über drei Millionen Jahre alten Hominiden entdeckt wurden.

Das Gebiet ist einer der tiefsten Orte der Erde und wird vom Nomadenvolk der Afar bewohnt. Das Land ist extrem unwirtlich, heiß und arm, allerdings auch von großer Schönheit. Schon 2007 waren dort fünf Europäer - vier Briten und eine Französin - entführt und nach knapp zwei Wochen unbeschadet gegen Lösegeld wieder freigelassen worden. Auch 2008 gab es mehrere Überfälle auf Touristengruppen.

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