„Lieber Wladimir“

Austro-Investor bot Putin an, „Problem zu lösen“

Wirtschaft
07.04.2023 19:35

Der österreichische Manager Siegfried Wolf hat in Russland offenbar Großes vor. Nachdem die russische Automobilindustrie aufgrund der westlichen Sanktionen darnieder liegt, plant Wolf milliardenschwere Investitionen in diesen Bereich - dabei wandte er sich offenbar an Wladimir Putin persönlich.

„Lieber Wladimir Wladimirowitsch“, zitiert der „Spiegel“ aus einem dreiseitigen Brief von Wolf an den russischen Präsidenten - dieser wurde rund ein Jahr nach Beginn des brutalen Angriffskriegs auf die Ukraine verfasst.

Russische Automarke vor Comeback?
Wolf, der auch im Porsche-Aufsichtsrat sitzt, erklärt darin, dass er dabei helfen wolle, die russische Autoindustrie wiederaufzubauen. Es gebe „unter den heutigen schweren Bedingungen“ nämlich schlicht einen Mangel an hochwertigen Autos. Er jedoch könne „dieses Problem lösen“, verspricht der Investor - konkret wolle er „die legendäre russische Wolga-Marke“ wiederbeleben. Er plant dabei, das Know-how und die Fabrikanlagen des VW-Konzerns zu nutzen.

Vorbild für Wolfs Produktionspläne in Russland? Die Skoda-Modelle sollen wohl Design-Elemente der legendären Wolga-Fahrzeuge übernehmen. (Bild: Korzana from Moscow, CC BY-SA 2.0 , via Wikimedia Commons)
Vorbild für Wolfs Produktionspläne in Russland? Die Skoda-Modelle sollen wohl Design-Elemente der legendären Wolga-Fahrzeuge übernehmen.

Das deutsche Unternehmen hatte seine Produktion nach Beginn des Kriegs stillgelegt und ist auch aus der Fertigungspartnerschaft mit dem russischen Autobauer GAZ ausgestiegen.

VW-Modelle mit russischem Anstrich
In den beiden Werken hat VW bis zum Ausstieg die Skoda-Modelle Rapid, Octavia, Kodiaq und Karoq produziert. Wolf plane, die Herstellung wieder aufzunehmen, jedoch mit russischem Anstrich - sie sollten demnach ein russisches Design erhalten und würden äußerlich „grundlegend umgestaltet“ werden, erklärt er.

Dabei sollen sich die „charakteristischen Merkmale“ der legendären Modelle Wolga und Pobeda in den Fahrzeugen wiederfinden. Das Projekt soll, so Wolf, vom russischen Unternehmen PromAvtoKonsalt betrieben werden, „dessen Eigentümer ich bin“, stellt er klar.

Siegfrid Wolf und das Russland-Geschäft

Wolf gilt als in der Branche bestens vernetzt. Er sitzt im Aufsichtsrat der Porsche SE Holding, die die Anteile der Familien Porsche und Piëch an VW hält. Auch beim Zulieferer Schaeffler (Conti-Reifen etc.) ist er im Kontrollgremium. Vor dem Ukraine-Krieg war Wolf auch mit zehn Prozent am russischen Autobauer GAZ beteiligt. Zuletzt betonte Wolf, sich bei möglichen Geschäften mit Russland strikt an die Sanktionsregeln zu halten.

Klare Ansage - Putin soll investieren
Das Vorhaben ist dabei offenbar recht kostspielig: Ohne Umschweife bittet Wolf in dem Schreiben um einen Kredit in der Höhe von 60 Milliarden Rubel (etwa 800 Millionen Euro) - damit möchte er jährlich 270.000 Fahrzeuge produzieren lassen. Von VW habe er dazu bereits grünes Licht erhalten, eine „grundsätzliche Einigung mit dem Top-Management“ sei nämlich bereits erfolgt.

VW spricht von „irritierendem Inhalt“
Noch im März würde auch der Aufsichtsrat des Konzerns sein Anliegen „endgültig genehmigen.“ Der Automobilkonzern dementiert: Man habe „keinerlei Kenntnis“ über diesen Brief „und dessen irritierenden Inhalt“, erklärte VW gegenüber dem „Spiegel“. Wolfs PromAvtoKonsalt zählte zwar zu den Kaufinteressenten, man habe sich aber für den Verkauf an ein anderes Angebot entschieden, betont man.

Auch bei der Porsche SE habe man von dem Brief Wolfs „keine Kenntnis“, betonte man - Wolf selbst gab bislang noch kein Statement dazu ab.

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