Neue Winteroffensive?
Putin von „sicherem Sieg“ in Ukraine überzeugt
Der Kampf um die Ukraine ist in eine neue Phase eingetreten. Die Gefechte um die Kleinstädte Bachmut und Soledar im Norden des Gebiets Donezk sind die blutigsten Kämpfe seit Monaten. Moskau hat die Initiative auf dem Schlachtfeld zurückgewonnen, zudem kursieren Gerüchte um eine neue Mobilisierung für eine Winteroffensive. Während Kiew auf westliche Panzer hofft, ist Wladimir Putin vom „sicheren Sieg“ Russlands überzeugt.
Russlands Raketenbauer produzieren an einem Tag etwa so viel wie alle Länder der Welt gemeinsam, sagte Putin bei einem Treffen mit Arbeitern in einem Werk des Konzerns Almas-Antej am Mittwoch. Daher sei der Sieg Russlands am Ende „unausweichlich“, meinte Putin. „Ich habe daran keinen Zweifel.“
Putin: „Wir wurden an der Nase herumgeführt“
Der Präsident sagte auch, dass Russland seit 2014 versucht habe, den Konflikt in der Ostukraine auf friedlichem Weg zu lösen. Das sei nicht möglich gewesen. „Wie sich herausstellte, wurden wir an der Nase herumgeführt, betrogen.“ In Wahrheit habe der Gegner den Konflikt in eine heiße Phase führen wollen. Russlands Ziel sei es jetzt, den Krieg in der Ukraine durch die „militärische Spezialoperation“ zu beenden. Moskau sei nichts anderes übrig geblieben, behauptete Putin.
Russen rücken vor
Unterdessen hat Russland mit massiver Wucht die Front im Norden des Gebiets Donezk eingedrückt. Unterstützt vom massiven Feuer der Artillerie stürmen Infanteristen - zumeist ehemalige Strafgefangene, die von der Söldnertruppe Wagner angeworben wurden - die gut befestigten Verteidigungsanlagen der Ukrainer. Trotz hartnäckigem Widerstand rücken die Soldaten langsam, aber stetig Stellung um Stellung, Haus um Haus voran.
„Hölle auf Erden“
Beide Seiten sprechen von hohen Verlusten, genaue Zahlen gibt es jedoch nicht. Russland habe den Flecken zu einer „Hölle auf Erden“ verwandelt, klagt der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak. Laut Präsident Wolodymyr Selenskyj sind beide Städte, Bachmut und Soledar, völlig zerstört. „Es ist sehr schwer: Es sind dort kaum noch intakte Wände übrig“, beschrieb er die Lage vergangene Woche.
Spekulationen um neue Mobilmachung
Die kolportierte Forderung von Putin an seinen neuen Oberbefehlshaber in der Ukraine, Waleri Gerassimow, den Donbass bis März einzunehmen, lässt sich allerdings wohl nur mit frischen Kräften erreichen. Deshalb nehmen Spekulationen um eine neue Mobilmachung zu - trotz der fast täglichen Dementis aus dem Kreml.
Eine neue Großoffensive kann Moskau wohl nur nach einer weiteren Mobilmachung angehen. Dabei ist es egal, ob das russische Militär dazu weiter auf Frontalangriffe im Donbass oder Umgehungsmanöver aus Saporischschja im Süden und eventuell sogar aus Weißrussland im Norden setzt. Alle drei Varianten kursieren unter Militärexperten - doch ohne Verstärkungen ist keiner dieser potenziellen Schläge erfolgversprechend.
Kiew hofft auf westliche Panzer
Kiew hofft unterdessen, mit westlicher Waffenhilfe Veränderungen zu erzwingen. Dabei setzt die Ukraine speziell auf das Treffen der Verteidigungsminister im deutschen Ramstein Ende der Woche. „300 Panzer, 700 Schützenpanzer und 500 Haubitzen“ hatte Generalstabschef Walerij Saluschnyj in einem Interview mit dem britischen „Economist“ als Zielmarke für eine erfolgreiche Großoffensive ausgegeben. Tschechien beginnt, 100 generalüberholte T-72 zu liefern. Polens Präsident Andrzej Duda hofft darauf, dass die europäischen Staaten 100 Leopard-Panzer bereitstellen können. 14 liefert Polen selbst, doch fehlt dazu weiter das Ja aus Berlin.
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