Im Verfolgungswahn

Scherenangriff auf völlig Fremde in der Bim

Wien
30.11.2022 17:30

„Das war der Tropfen auf den heißen Stein“, so die Betroffene im Landesgericht Wien. Der Tropfen: Dass sich eine junge Frau in der Bim vor sie setzte. Deswegen griff sie diese mit einer Schere an. Das ist aber der paranoiden Schizophrenie der 56-Jährige zu verschulden.

Ein Tag wie jeder andere für die 24-Jährige: In der Früh machte sie sich auf den Weg in die Arbeit und stieg in die Straßenbahnlinie 43 bei der Station Schottentor ein. Genau wie die 56-jährige Betroffene. Schon mit einer Schere in der Hand betritt diese die Bim. Die 24-Jährige setzt sich eine Reihe vor ihr hin. Und völlig aus dem Nichts versucht die 56-Jährige, auf die junge Frau einzustechen.

Sechsmal Psychiatrie in einem Jahr
Für die Betroffene war es aber keineswegs aus dem Nichts: „Ich hatte das Gefühl, dass alle Welt mir zu nahe kommt, mich ablehnt. Das war der Tropfen auf den heißen Stein.“ Die 56-Jährige leidet seit über 20 Jahren an paranoider Schizophrenie. In diesem Jahr wurde sie schon sechsmal stationär in einer Psychiatrie aufgenommen.

Sie leidet unter Verfolgungswahn, deswegen auch die Schere. Dass die 24-Jährige ihr so nahe kam, war ihr zu viel. Ein Mann in der Straßenbahn - zufällig ein Polizist - konnte die Betroffene sofort fixieren und entwaffnen. Der jungen Frau passierte, außer einem riesigen Schrecken, nichts.

„Die höchste Stufe des Verfolgungswahn“
Die Staatsanwaltschaft sieht darin einen Mordversuch. Zurechnungsfähig ist sie dabei nicht gewesen: „Wir haben es mit jemandem zu tun, bei dem man lehrbuchhaft sehen kann, was eine psychische Krankheit anstellen kann. Sie war sich sicher, dass sie an dem Tag umgebracht wird. Das ist die höchste Stufe des Verfolgungswahns“, so Gerichtspsychiater Dr. Peter Hofmann, der die 56-Jährige für höchst gefährlich hält.

Die Geschworenen bewerten den Scherenangriff aber nur als schwere Nötigung. Wegen Gefährlichkeit wird die Frau aber eingewiesen.

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