Weniger Papierkram

Menschen statt Akten pflegen

Oberösterreich
22.11.2022 11:30

Viel Arbeitszeit in der Altenpflege geht für Dinge drauf, die den Heimbewohnern unmittelbar gar nichts nützen. Zum Beispiel, wenn ganz penibel höchst alltägliche Dinge außerhalb des medizinischen Bereichs aufgeschrieben werden müssen. Sozialressort des Landes und Arbeiterkammer sind sich einig, dass es diesem Zeiträuber an den Kragen gehen muss. Doch wie?

In den vergangenen Jahren sind durch gesetzliche Vorgaben, aber auch durch das eigene Berufsverständnis die Dokumentationsanforderungen an die Betreuung und Pflege massiv angestiegen. Abhilfe soll hier das Projekt „Pflegedokumentation neu denken“ bringen, das über den Status eines Pilotprojektes schon weit hinaus ist, wie Soziallandesrat Wolfgang Hattmannsdorfer und AK-Präsident Andreas Stangl am Dienstag in einer gemeinsamen Pressekonferenz erläuterten. Das Projekt wurde von der „Soziales Netzwerk GmbH“ mit Geschäftsführer Martin König durchgeführt und mittlerweile sehr erfolgreich flächendeckend in Oberösterreich ausgerollt. 118 Alten- und Pflegeheime setzen die neuen Standards um, über 7.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren davon. Mit dem Projekt kann eine Reduzierung der Dokumentationseinträge um bis zur Hälfte erreicht werden.

Nichtssagendes kann endlich wegfallen
Nichtpflegerische Tätigkeiten und „Hotelleistungen“ werden nicht mehr dokumentiert. Dazu gehören etwa Aufzeichnungen, wenn Frühstück oder Abendessen serviert, Bewohnerkleidung im Schrank verstaut, Bettwäsche gewechselt, das Zimmer gelüftet oder der Rollstuhl geputzt wurde. Auch nichtssagende Fülleinträge oder Standardeinträge fallen weg, wie zum Beispiel „dem Bewohner geht es gut“. Pflegerische Unterstützungstätigkeiten, zum Beispiel beim Toilettengang, beim Aufstehen und Anziehen, müssen nicht mehr einzeln dokumentiert werden. Die Dokumentation wird zusammengefasst.

Weniger Schreibarbeit auch in mobiler Pflege
Das Erfolgsprojekt der „Pflegedokumentation Neu“ soll nun von den Alten- und Pflegeheimen auf die Anbieter der mobilen Betreuung und Hilfe ausgeweitet werden. Ziel ist auch hier, Dokumentationsprozesse zu vereinfachen und die Möglichkeiten der Digitalisierung gezielt zu nutzen. „Es geht bei all dem darum, sich um die Menschen zu kümmern und nicht um Akten“, bringt Landesrat Hattmannsdorfer das Anliegen auf den Punkt. AK-Präsident Stangl schildert den Part seiner Institution so: „Es freut mich, dass wir mit unserem AK-Zukunftsfonds und unserer fachlichen Expertise einen wesentlichen Beitrag dazu leisten konnten, die Arbeitssituation der Beschäftigten zu verbessern.“

Sozialressort und AK vertiefen Zusammenarbeit
Die neue Fachkräftestrategie Pflege basiert im Wesentlichen auf drei Säulen, nämlich Gewinnung von neuen Mitarbeitern, Modernisierung der Ausbildung und Verbesserung der Rahmenbedingungen für bestehende Mitarbeiter. Vor allem beim letzten Punkt wird man vom Sozialressort her verstärkt gemeinsam mit der Arbeiterkammer zusammenarbeiten und Projekte voran treiben. Schnittmengen dabei sind die Erhöhung des Beschäftigungsausmaßes (verpflichtende, jährliche Mitarbeitergespräche, die in Teilzeit sind, mit Angebot zur Erhöhung), Maßnahmen zur Senkung der Dropout-Quote, sowie die Flexibilisierung bei der Dienstplangestaltung.

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