„Der Prozess“

Wortschwall statt Erleuchtung bei Kafka-Premiere

Oberösterreich
24.09.2022 17:00

Ein Mann in einer ausweglosen Situation, der sich immer mehr in sich selbst verrennt: Franz Kafkas „Der Prozess“ wurde im Linzer Schauspielhaus von Regisseur Peter Wittenberg entsprechend düster und komplex dargestellt, wobei der unendliche Wortschwall einen irgendwann abstumpft.

Zu sehr verhaftet in einer dreistündigen Textlawine präsentierte sich „Der Prozess“ in der Bearbeitung von Matthias Günther bei der Premiere des Landestheaters am Freitagabend. Die Inszenierung, die in die gute Bühne von Florian Parbs eingebettet ist, plätschert dahin von einer absurden Begegnung des angeklagten Herrn K. zur nächsten, nur bringen die Wortungetüme keine Erleuchtung und fragen nicht: Was hat das eigentlich mit uns zu tun?

Sehr gut allerdings die Leistungen des gesamten Schauspielensembles, allen voran Julian Sigl und Daniel Klausner, die beide die Hauptfigur K. spielen, was auf dem personalen Erzähler der Romanvorlage fußt und eine sehr gute Idee ist. Sie kommentieren und beobachten sich selbst und wechseln von aktiv zu passiv, bis alle Linien verschwimmen. Geschlechterfluidität betont Peter Wittenberg in dieser Inszenierung und lässt etwa Katharina Hofmann bis zur Unkenntlichkeit verwandeln (Kostüme: Marie-Luise Lichtenthal), damit sie als dicker, glatzköpfiger Onkel von K. brillieren kann.

Fazit: Ein Abend für Kafka-Liebhaber, jedoch nicht für solche, die es erst noch werden möchten... Nächste Termine: 27. 9., 3. + 6. 10.; Tickets: www.landestheater-linz.at 

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