Metaller verhandeln

Heiße Herbstlohnrunde: Es geht um 52.000 Steirer

Steiermark
21.09.2022 06:00

Die Gewerkschaften wollen 10,6 Prozent mehr Lohn für die Metaller, die Industrie beklagt hohe Kosten. 52.000 Steirer sind in dieser für das Bundesland prägenden Branche betroffen. Was die beiden Seiten und ein Experte sagen.

Wieso ist die Herbstlohnrunde gerade für die Steiermark so wichtig?
230 Unternehmen und 52.000 Mitarbeiter hat die Metallbranche in der Steiermark – damit ist sie vor allem in der Obersteiermark ein extrem wichtiger Industriezweig.

Wie hoch ist die Forderung, und was sagt die Industrie?
Die Gewerkschaft geht mit einer Forderung von 10,6% Lohnerhöhung in die Verhandlung: Die Zahl setzt sich aus 6,3% rollierender Inflation und 4,3% Wirtschaftswachstum zusammen. „Wir wollen einen Teil des Kuchens für die Arbeiter zurück“, erklärt Gewerkschafter und Andritz-Betriebsrat Andreas Martiner. Christian Knill, Verhandler für die Arbeitgeberseite, hält die Forderung für „überzogen“, die Industrie leide unter hohen Energie- und Rohstoffpreisen.

Zitat Icon

Wir spüren bei unseren Mitarbeitern, dass die Teuerungen Probleme machen – beim Strom, beim Essen.

Andreas Martiner

Wie laufen die Verhandlungen weiter ab?
Bis 24. Oktober sind drei Verhandlungstermine angesetzt. Ob es wie im vergangenen Jahr zu Warnstreiks kommen wird? „Jetzt verhandeln wir mal. Ich schließe aber gewerkschaftliche Maßnahmen nicht aus“, sagt Martiner.

Wieso sind gerade die Metaller-Verhandlungen so wichtig?
Martiner: „Die Metaller sind eine gut organisierte, starke Branche.“ Die Verhandlungen sind quasi der Startschuss für alle anderen, die nun folgen.

Zitat Icon

Das Schwierige ist, dass man über die Zukunft verhandelt. Vor einem Jahr hätte ich mir diese Inflation nicht erträumt.

Jörn Kleinert

Wie wirken sich die Verhandlungen auf die Inflation und die Wirtschaft aus?
„Inflationsdämpfend wirken Lohnerhöhungen sicher nicht“, sagt Jörn Kleinert, Ökonom an der Uni Graz. Ohne Erhöhung riskiert man jedoch einen Verlust an Kaufkraft, was zu einer Rezession, also zu einem Wirtschaftsabschwung, führen könnte.

Wie ist die Lage in der Metall-Industrie?
Knill malt ein düsteres Bild: „20% der Betriebe machen schon jetzt keine Gewinne mehr, das sind vor allem exportorientierte Klein- und Mittelunternehmen. Durch den Krieg sind die neuen Aufträge in der Rohmaterial-Herstellung um bis zu 50% zurückgegangen.“ 85% der produzierten Waren gehen in den Export und müssen am Weltmarkt bestehen – obwohl der Euro nun weniger wert ist und andere Länder kein Problem mit Energie- und Gaspreisen haben.

Zitat Icon

Die Unternehmen leiden unter dem Krieg und der Energiekrise, die neuen Aufträge sind um 50% zurückgegangen.

Christian Knill

Wird die Inflation bald wieder sinken?
„In den nächsten Jahren wird die Inflationsrate nicht weiter steigen“, sagt Kleinert voraus. Das Preisniveau bleibt aber hoch. „Deswegen bringen Einmalzahlungen nur wenig.“

Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
explore
Neue "Stories" entdecken
Beta
Loading
Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Steiermark



Kostenlose Spiele