Wegen Internetbetrügereien im großen Stil mussten sich am Mittwoch ein 33-jähriger Serbe und seiner 46-jährigen Lebensgefährtin am Landesgericht Feldkirch verantworten.
Ein bisschen an „Bonnie und Clyde“ erinnert die Geschichte der beiden Angeklagten schon. Freilich haben die zwei Delinquenten niemanden bei ihren Beutezügen umgebracht. Ein Gaunerpaar, das durch dick und dünn geht, sind der vorbestrafte Serbe und seine Komplizin jedoch allemal.
Die beiden haben nämlich fleißig im Internet unter anderem Elektrogeräte, Playstations, Handys und Kleidung bestellt, diese aber nie bezahlt und im Anschluss vorzugsweise auf der Internetplattform „Willhaben“ an den Mann bzw. die Frau gebracht. Darunter Fernseher um mehr als 11.000 Euro, die sie dann zum Spottpreis von 2500 Euro gegen Vorkasse verkauften - scheinbar. Denn meist schauten die Opfer durch die Röhre. Am Ende entstand so ein Gesamtschaden von mehr als 64.000 Euro!
„Wie ist es möglich, dass jemand einen Fernseher im Wert von mehr als 11.000 Euro im Internet bestellen kann und ohne Anzahlung geliefert bekommt?“, fragt sich selbst der Verteidiger des Serben im Prozess. Ein berechtigter Gedanke, der den Schluss zulässt, dass die zwei die Waren im Namen bestehender Kunden bestellt und am Ende die Waren an ihre eigene Adresse haben liefern lassen.
Ich war arbeitslos, hatte über 50.000 Euro Schulden und zockte zudem im Internet-Casino. Ich war spielsüchtig.
Der Angeklagte
Ein Happy End für „Bonnie und Clyde“?
Im Prozess bekennen sich der seit einem Jahr in U-Haft sitzende „Clyde“ und seine mittlerweile als Verkäuferin arbeitende „Bonnie“ zu den Vorwürfen schuldig. Wobei der Erstangeklagte einräumt, für die „großen Geschichten“ zuständig gewesen zu sein. „Ich war arbeitslos, hatte über 50.000 Euro Schulden und zockte zudem im Internet-Casino. Ich war spielsüchtig“, begründet der Serbe sein kriminelles Treiben. Dass das alles ein großer Fehler gewesen sei, habe er in der Zeit seiner U-Haft gemerkt. Mittlerweile habe er ein Magenleiden und auch seine Psyche sei ziemlich angeknackst.
Nach sieben Monaten U-Haft sieht auch die nunmehrige Ex-Lebensgefährtin ihre Zukunft glasklar. Nach ein paar Putzjobs arbeitet die ebenfalls mit rund 60.000 Euro Verschuldete mittlerweile im Lebensmittelhandel, verdient monatlich 1200 Euro. Auf dem richtigen Weg bleiben will sie mit Unterstützung ihrer Bewährungshelferin trotzdem. „Ich melde jetzt erst einmal Insolvenz an.“ Ob es für sie und „Clyde“ doch noch eine Happy End gibt? Das hänge ganz von ihrem „Ex“ ab, so „Bonnie“: „Ich hab zu ihm gesagt, er soll sich nach seiner Entlassung in Therapie begeben und einen ordentlichen Job suchen. Dann kann ich mir vorstellen, mit ihm wieder zusammenzuziehen. Aber mit kriminellen Machenschaften will ich nie wieder was zu tun haben.“
Ich hab zu ihm gesagt, er soll sich nach seiner Entlassung in Therapie begeben und einen ordentlichen Job suchen.
"Bonnie" auf der Anklagebank
Urteile sind rechtskäftig
Richterin Magdalena Rafolt verurteilt den Serben zu einer teilbedingten Haftstrafe von 22 Monaten und zu einer Zahlung von rund 23.100 Euro binnen 14 Tage an die Privatbeteiligten.
Seine Ex-Freundin fasst indes eine teilbedingte Haftstrafe von 21 Monaten aus sowie die Zahlung der Privatansprüche über rund 1760 Euro. 5000 Euro muss sie als Verfallsbetrag an den Staat zahlen. Die Urteile sind bereits rechtskräftig.









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