Die Landesregierung fordert eine Überarbeitung des Modells, da die Vorarlberger Bevölkerung nicht davon profitieren würde. Der Grund dafür: Die Strompreise im Ländle sind deutlich niedriger als in den meisten anderen Bundesländern.
Mit großem Tamtam hat die Bundesregierung jüngst die sogenannte Strompreisbremse angekündigt, die Bevölkerung werde dadurch massiv entlastet, so das Versprechen. Den Planungen der Regierung zufolge sollen den österreichischen Haushalten bis zur Marke von etwa 2900 Kilowattstunden nur zehn Cent pro Kilowattstunde verrechnet werden - erst für den darüber hinausgehenden Verbrauch werde der marktübliche Preis zu zahlen sein. Allerdings geht diese Rechnung nicht für alle Bundesländer auf: Denn in Tirol und Vorarlberg werden die Bürger von der Strompreisbremse praktisch so gut wie nicht profitieren. Der Grund dafür sind die niedrigen Strompreise der jeweiligen Landesenergieversorger. Während eine Kilowattstunde Strom für einen Vorarlberger Durchschnittshaushalt aktuell 16 Cent (Gesamtpreis; Verbrauchspreis: 9,68 Cent netto) kostet, sind es in Wien über 42 Cent.
Ländle subventioniert sich Strompreis selbst
Jetzt könnte man natürlich argumentieren, dass aufgrund der deutlich niedrigen Preise eine Unterstützung der Vorarlberger Stromkunden ungerechtfertigt wäre. Damit würde man allerdings die Tatsachen verkennen: Denn der niedrige Strompreis im Ländle resultiert einzig daher, dass sich die Illwerke-VKW bereits vor Monaten dazu entschlossen haben, entgegen der Marktentwicklung den Strompreis zumindest bis Ende März 2023 einzufrieren und somit auch sinkende Erträge in Kauf zu nehmen. Die Illwerke federn also die Preissteigerung für ihre Kunden ab. Nun ist der Energieversorger bekanntlich ein Landesunternehmen und gehört folglich der Vorarlberger Bevölkerung. Was im Umkehrschluss bedeutet: Die Vorarlberger Bevölkerung finanziert sich die niedrigen Strompreise selbst. Und selbstverständlich wird sie dafür auch die Zeche dafür zahlen: So ist anzunehmen, dass die nächste Gewinnausschüttung der Illwerke an das Land weit dürftiger ausfallen wird als in der Vergangenheit - und somit werden dem Land auch die Mittel für Projekte fehlen, welche wiederum der Bevölkerung zu Gute kämen.
Es kann nicht sein, dass die westlichen Bundesländer für ihre niedrigen Strompreise quasi bestraft werden. Das Modell gehört überarbeitet.
Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP)
Das sieht die Landesregierung nicht anders. „Es kann nicht sein, dass die westlichen Bundesländer für ihre niedrigen Strompreise quasi bestraft werden“, schimpft Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP). Das Modell gehöre folglich überarbeitet, Ziel müsse es sein, „dass alle Bundesländer etwas davon haben“ und „dass die Stützung der Strompreise in jedem Bundesland für einen gleich langen Zeitraum wirkt“. Die Strompreisbremse abwürgen will Schöbi-Fink aber auf keinen Fall: „In der jetzigen Situation ist dieses Instrument wichtig und richtig.“









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