Eltern sind verzweifelt, weil Fachärzte fehlen. Jungmediziner möchten Kinderarzt werden, aber es gibt zu wenig Ausbildungsplätze. Was also tun? Der Innsbrucker Kinderklinik-Chef Thomas Müller hatte eine Idee - und die soll jetzt Realität werden.
Anfang August schlug der Innsbrucker Kinderklinik-Chef Thomas Müller bei der 125-Jahr-Feier der Kinderklinik Alarm. Wie berichtet, droht in Tirol eine gefährliche Unterversorgung im Fach Kinderheilkunde. Kassenstellen können immer schwerer nachbesetzt werden. Einige sind bereits seit Jahren verwaist. Auch in den Bezirkskrankenhäusern wird es immer schwerer, Stellen nachzubesetzen.
Wir könnten deutlich mehr Jungärzte ausbilden, aber es fehlt an der Finanzierung.
Kinderklinik-Chef Thomas Müller
Das Absurde an der Situation: Es fehlen Kinderärzte, obwohl der Beruf sehr gefragt ist. Viele junge Mediziner möchten gerne ins Fach Pädiatrie. Doch sie bekommen schlicht keinen Ausbildungsplatz. Denn diese sind limitiert. Ein Umstand, der nicht nur in der Kinderheilkunde für Engpässe sorgt. In diesem Fach ist es aber besonders krass. „Wir könnten deutlich mehr Jungärzte ausbilden, aber es fehlt an der Finanzierung“, zeigt Müller das Dilemma auf.
Land und ÖGK wollen Plätze in der Ausbildung finanzieren
Nun könnte eine Lösung gefunden sein. Eine, die über die Grenzen Tirols als Vorbild dienen könnte. Am Dienstag will die Landesregierung dazu einen Beschluss fassen. Dieser sieht vor, dass das Land gemeinsam mit der Gesundheitskasse ÖGK und regionalen Partnern wie Gemeindeverbänden Ausbildungsplätze finanziert. Konkret vorerst acht in den kommenden Jahren. Das Besondere daran: In der Ausbildung arbeiten die Mediziner nicht nur in der Klinik, sondern auch in regionalen Krankenhäusern und im niedergelassenen Bereich.
„Damit wird eine Bindung zur Region hergestellt“, beschreibt Arno Melitopulos, Projektverantwortlicher in der ÖGK, den erhofften Nutzen. Der ÖGK geht es dabei vor allem um die Facharztstellen am Land. Die Erfahrung habe gezeigt, dass diese leichter nachzubesetzen sind, wenn Jungmediziner bereits in ihrer Ausbildung dort Erfahrung sammeln können.
Soforteffekte, weil junge Ärzte am Land arbeiten
Dieses relativ einfache Prinzip beobachtet auch der Klinik-Direktor. Er nennt als Beispiel das Oberland, wo durch eine Kooperation mit dem Krankenhaus Zams ein Kinderarzt ausgebildet und vor Ort etabliert werden konnte. Für Müller ist die neue Kooperation mit Land, Gemeinden und ÖGK ein „Meilenstein“, der auch in anderen Fachgebieten Ärztemangel verhindern könne. Die zusätzlichen Ausbildungsstellen hätten sofort positive Effekte, betont er: „Die Ärzte sind schon in der Ausbildung in den Regionen präsent und entlasten bestehende Strukturen. Wir können dadurch auch zusätzliche Notfalldienste in Randzeiten anbieten.“
Auch in der Landesregierung sieht man mit dieser Initiative einen wichtigen Schritt getan. Damit könne einer Pensionierungswelle und unbesetzten Stellen effektiv entgegengewirkt werden, heißt es.









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