Millionen Betroffene

Genitalverstümmelung bei Frauen nimmt weltweit ab

Ausland
02.09.2022 12:55

In 26 von 30 betroffenen Staaten in Afrika, im Nahen Osten sowie in Südostasien nahm die Verbreitung der Praktik der Genitalverstümmelungen in den vergangenen Jahren ab. Insgesamt sind 37 Prozent der Frauen zwischen 15 und 49 Jahren betroffen, bei Mädchen im Alter bis 14 Jahren sind es acht Prozent. In Äthiopien sank die Zahl der betroffenen Kinder stark: von 52 Prozent (2000) auf 15,7 Prozent (2016). Trotzdem sind über 100 Millionen Frauen weltweit davon betroffen.

Als Grundlage für eine im Fachblatt „PLOS Medicine“ veröffentlichte Erhebung dienten die Daten von mehr als 400.000 Frauen und knapp 300.000 Mädchen aus den betroffenen Staaten.

Den vielerorts leichten Rückgang der weiblichen Beschneidungen schreiben die Autoren neben gesetzlichen Verboten auch der Änderung sozialer Normen zu. 

Mehr Bildung, mehr Verbote
Eine der wichtigsten Triebfedern ist zunehmende Bildung. Frauen hätten heute mehr Zugang zu Wissen und zum Arbeitsmarkt, so UNICEF-Expertin Claudia Cappa. „Das verändert auch die gesellschaftlichen Normen.“

Zunahme in Somalia und Burkina Faso
Doch nicht überall wird die gefährliche Praktik eingedämmt. Eine Zunahme verzeichnete die Studie für Burkina Faso, Somalia und Guinea-Bissau. In Guinea-Bissau wurden etwa 2006 bei 44,5 Prozent der Frauen die Genitalien verstümmelt. In den Jahren 2018 und 2019 galt dies bereits für 52,1 Prozent.

99,2 Prozent der Frauen in Somalia 2020 verstümmelt
Somalia gilt dabei als Schlusslicht. Dort waren im Jahr 2020 99,2 Prozent der Frauen verstümmelt. Im Jahr 2006 galt dies für knapp 98 Prozent. Bei Kindern ist es Mali: Knapp 73 Prozent der Mädchen waren dort 2018 von dem grausamen Eingriff betroffen. In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl dort kaum verändert.

Praktik soll auch „Triebe eindämmen“
Die Verstümmelungen werden den Studienautoren zufolge etwa aus religiösen, sozialen oder kulturellen Gründen vorgenommen. Viele Menschen in den betroffenen Ländern glauben auch, dass dies die Heiratsaussichten der Mädchen und Frauen verbessere und ihre sexuellen Triebe eindämme.

Eingriff hat körperliche und seelische Folgen
Zu den gesundheitlichen Folgen gehören neben psychischen Problemen auch starke Schmerzen, Infektionen, Blutvergiftungen, Unfruchtbarkeit und Komplikationen bei der Schwangerschaft. Mitunter sterben Mädchen und Frauen auch in Folge der Prozedur. Nach Angaben der Autoren wird sie meistens bei Kleinkindern im Alter zwischen null und fünf Jahren durchgeführt.

Die Autoren der Erhebung schätzen, dass weltweit mindestens 100 Millionen Frauen betroffen sind, die reale Verbreitung dürfte etwas höher liegen. Die Vereinten Nationen gehen von 200 Millionen Fällen aus.

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