Portrait

Die Randspiele wieder in Mittelpunkt gerückt

Vorarlberg
24.07.2022 17:25

Die als interdisziplinäre Künstlerin seit jeher über Tellerränder blickende Ines Agostinelli kuratiert die Sommerausstellung „Randspiele“.

Am Anfang stand die Fotografie: „Ich reise gerne und habe schon früh meine Eindrücke mit der Fotokamera festgehalten“, erinnert sich Ines, die dann konsequenterweise Fotografie, visuelle Medien und Grafik studierte. Dem ließ sie noch ein Studium für „Medien- und Raumkunst“ an der Angewandten in Wien folgen.

Entsprechend breit gefächert und vielseitig ist das Werk der 44-Jährigen: „Nur eine künstlerische Ausdrucksform zu benutzen, kam für mich nie in Frage“, kommentiert Ines ihre vielfältigen Projekte. Diese sprengen herkömmliche Ausstellungsformate - Bilder, Fotos, Skulpturen - und sind oft mit Kunstvermittlung und Workshops, aber auch mit wissenschaftlicher und historischer Recherche verbunden.

Dies war so bei „Song of me“, wo sie sich mit ihrer Familienbiografie beschäftigte, aber auch bei kuratorischen Projekten zur Schrunser „Kuranstalt“ oder bei der Schau „Zum Luftholen. Lungenheilstätte Gaisbühel“. Und das gilt natürlich für die aktuelle Sommerausstellung „Randspiele. Erinnerung an einen kulturellen Aufbruch“, die im Palais Thurn und Taxis in Bregenz zu sehen ist. „Im Rahmen eines Projekts, bei dem ich unterschiedlichste Menschen über ihre Motive als Kulturschaffende befragt habe, fiel immer wieder der Begriff ’Randspiele’, der mich sofort elektrisierte: Welcher Rand, was spielt man am Rand, wer ist der Rand? Also begann ich zu recherchieren.“

Da die ersten „Randspiele“, ein Gegenentwurf zu den Bregenzer Festspielen, 1972 stattfanden und sich heuer somit zum 50. Mal jähren, war für Ines sofort klar, dass eine entsprechende Ausstellung nur 2022 wirklich Sinn macht und der Bedeutung des damals bahnbrechenden Alternativ-Kulturevents gerecht wird.

Noch mehr Fragen, noch mehr Arbeit
Dieser Meinung schloss sich die Stadt Bregenz an. Aber Ines blieb nur wenig Zeit, die umfangreiche Sommerausstellung zu gestalten. „Ein Spaziergang war es nicht“, erzählt die Kuratorin und Mutter einer Tochter, „aber die Anerkennung der Zeitzeugen, welche die Ausstellung allesamt als sehr gelungen betrachten, ist der Lohn für das monatelange Durcharbeiten.“ In der Tat gelang Ines ein spannender Rückblick auf diese „Ländle-Kulturrevolution“.

Dabei belassen will sie es aber nicht. „Wichtig wäre jetzt eine entsprechende Publikation. Und danach stellen sich die vielleicht wichtigsten Fragen: Könnten die Randspiele reaktiviert werden? Wie und wohin haben sich die Ränder verschoben? Funktioniert die Inklusion sogenannter Randgruppen wie ehedem bei der Protestkultur der Spät-60er? Wo wird Kultur sonst noch gebraucht?“ Klingt spannend, und nach noch mehr Arbeit.

Raimund Jäger
Raimund Jäger
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