Fr, 17. August 2018

10-Stunden-Sitzung

03.08.2011 21:47

Doping-Verfahren gegen Jukic nach Anhörung vertagt

Kurzbahneuropameister Dinko Jukic hat am Mittwoch noch keinen Aufschluss darüber erhalten, ob eine im Mai nicht zustande gekommene Dopingkontrolle Konsequenzen für ihn hat. Die Rechtskommission der Nationalen Anti-Doping Agentur NADA vertagte nach einem über zehnstündigen Sitzungsmarathon ihre Entscheidung im Verfahren gegen den 22-jährigen Schwimmer auf den nächsten noch festzulegenden Verhandlungstag.

Jukic (im Bild rechts mit Anwalt Ralf Mössler) hatte am 24. Mai im Wiener Stadionbad eine Trainingskontrolle wegen angeblich mangelhafter Hygienebedingungen und Unstimmigkeiten über den zeitlichen Ablauf abgelehnt. Wird ihm das als Testverweigerung ausgelegt, droht dem Wiener eine Sperre von bis zu zwei Jahren.

Neue Beweisanträge von Jukic verzögern Entscheidung
Erst nach zehn Stunden stellte sich am Mittwoch heraus, dass es diesmal keine Entscheidung geben wird. "Wir werden die Zeugeneinvernahmen noch abschließen, aufgrund der Tatsache, dass der Anwalt des Beschuldigten weitere Beweisanträge eingebracht hat, wird es heute keine Entscheidung geben", erklärte Kommissionsvorsitzender Gernot Schaar in einer der kurzen Pausen des zum Marathon gewordenen Verhandlungstages. Jukic selbst gab keinen Kommentar ab.

Stundenlange Zeugenbefragungen
Bei der Anhörung am NADA-Sitz in Wien sagten hinter verschlossenen Türen neben Jukic auch sieben Zeugen aus. So legten etwa sein Trainer-Vater Zeljko Jukic und die mit der Blutabnahme betraut gewesene Ärztin gegenüber der fünfköpfigen Kommission ihre Sicht der Ereignisse dar. Nach der fast dreistündigen Verfahrenseröffnung samt Einvernahme von Jukic wurde am frühen Nachmittag ein international tätiger österreichischer Schwimm-Kampfrichter als erster Zeuge befragt.

Im Anschluss schilderte Trainer-Vater Jukic seine Sicht der Ereignisse um die nicht abgegebenen Blut- und Urintests. Über Verfahrensdetails wollte er sich auf Nachfrage nicht äußern, verärgert zeigte sich der Kroate aber vor allem über die Tatsache, dass sein Sohn das für den frühen Abend geplante Abschlusstraining für die bereits am Donnerstag beginnenden Staatsmeisterschaften in Linz nicht zeitgerecht absolvieren konnte.

Schwimmerin aus Jukic-Gruppe gab am selben Tag Probe ab
Die ebenfalls als Zeugin geladene Schwimmerin Sandra Swierczewska aus der Jukic-Trainingsgruppe bestätigte, dass sie im Gegensatz zu Jukic am besagten Tag im Stadionbad anders als der mehrfache EM-Medaillengewinner die Blut- und Urinproben abgeben habe. Nach ihr sagten noch OSV-Generalsekretär Thomas Gangel und NADA-Mitarbeiter Michael Mader, die in die konfliktreiche Abwicklung der Jukic-Tests telefonisch involviert gewesen waren, aus.

Die mit der Probenabnahme betraut gewesene Ärztin und der Kontrollor, beide seit Jahren für die NADA im Einsatz, bildeten den Abschluss des Einvernahmereigens. Alleine die Vernehmung des Dopingkontrollors dauerte über zweieinhalb Stunden.

Jukic selbst und der Österreichische Schwimm-Verband sind jedenfalls von einem Freispruch überzeugt. Wird der WM-Siebente tatsächlich freigesprochen, ist durch etwaige Einsprüche der Welt-Anti-Doping-Agentur und des Internationalen Schwimm-Verbandes der Gang in nächste Instanzen möglich. Umgekehrt kann Jukic bei der Unabhängigen Schiedskommission gegen eine etwaige Verurteilung berufen.

Olympia-Teilnahme wackelt
Sperrt die NADA den mehrfachen EM-Medaillengewinner für mehr als sechs Monate, aber nicht bis zum Beginn der Olympischen Spiele Ende Juli 2012, darf er laut aktueller Rechtslage in London trotzdem nicht teilnehmen. Das IOC verbietet Sportlern mit Dopingsperren von über sechs Monaten nämlich generell das Antreten bei darauffolgenden Spielen. Diese Regelung könnte aber demnächst vom Internationalen Sportgerichtshof gekippt oder adaptiert werden.

Jukic, der bei den Wiener Landtagswahlen 2010 für die ÖVP vergeblich um ein Grundmandat im Wahlkreis Meidling gekämpft hatte, war nach Bekanntwerden der Vorfälle nicht vorläufig suspendiert worden. Diese Maßnahme wird zumeist nur bei Vorliegen positiver Dopingtestergebnisse getroffen.

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