31.07.2011 08:07 |

"Tax Freedom Day"

Österreicher arbeiten seit Sonntag nur für sich

211 Tage haben die Österreicher heuer für den Staat gearbeitet, doch mit dem "Tax Freedom Day" am Sonntag, dem Steuerzahlergedenktag, hat sich das geändert: Von nun an arbeitet der durchschnittliche Steuerzahler theoretisch nur noch für sich selbst. Doch dieser denkwürdige Tag verschiebt sich historisch gesehen immer weiter nach hinten.

Der Grund dafür ist, dass die Steuer- und Abgabenlast stetig steigt. Im Jahr 1976 fiel der Steuerzahlergedenktag noch auf den 23. Juni. Seinen Höchststand erreichte er 2001, als der Durchschnittsösterreicher bis zum 22. August arbeiten musste, um seinen Steuer- und Abgabensold zu erfüllen. Im letzten Jahr wurde er am 28. Juli begangen.

Josef Bucher vom BZÖ verteilte anlässlich des Steuerzahlergedenktages bereits am Freitag bei einem Würstelstand in Wien halbe Würstel mit einer halben Semmel, einem halben Gurkerl und einem halben Becher Bier – als Zeichen dafür, dass die Österreicher "über ein halbes Jahr nur für Steuern und Abgaben arbeiten müssen". Einmal mehr forderte das Bündnis eine Senkung der Steuer- und Abgabenquote. "Das wäre motivierend für die Leistungsträger in unserer Gesellschaft", so der Parteiobmann. Heute liege die Steuer- und Abgabenquote in Österreich bei 43 Prozent.

Auch Barbara Kolm, Präsidentin des Austrian Economics Centers, verwies am Freitag in einer Aussendung auf den "Tag des Steuerzahlers" und erklärte, es sei "an der Zeit, gemeinsam gegen die ständig steigende, leistungsfeindliche Steuerlast aufzutreten". Dass der "Tax Freedom Day" heuer drei Tage später als im vergangenen Jahr stattfindet, sei unter anderem auf die Anhebung der Mineralölsteuer zurückzuführen. Kolm fürchtet, dass die steigende Staatsverschuldung und die damit einhergehende Belastung für zukünftige Generationen eine starke Auswirkung auf den Steuerzahlergedenktag haben werde.

Schlechte Position im internationalen Vergleich
Im internationalen Vergleich ist der heimische Steuerzahler laut Austrian Economics Center und PricewaterhouseCooper auf einer schlechten Position, wie unabhängige Berechnungen ergeben hätten. Um als Wirtschaftsstandort attraktiv zu bleiben, müsse Österreich hier rasch Verbesserungen umsetzen, so das AEC. PwC schlägt dazu konkrete Maßnahmen vor: Neben einer Entlastung des Faktors Arbeit könnte auch eine Vereinfachung des Steuersystems dazu beitragen, die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes langfristig zu sichern. "Es bedarf allerdings entsprechender steuerlicher Rahmenbedingungen, um im internationalen Vergleich weiterhin punkten zu können. Sonst wird Österreich im Wettbewerb der Volkswirtschaften nicht mehr mithalten können", erklärt Friedrich Rödler, Senior Partner bei PwC Österreich.

Auch das AEC sieht die politisch Verantwortlichen gefordert. "Wir fordern, endlich die Verwaltungsreform in Angriff zu nehmen. Es ist höchst an der Zeit, unser Verwaltungssystem zu durchforsten und dem Vorschlägen des Rechnungshofes nachkommen. Die horrenden Kosten und Parallelitäten im Gesundheits- und Bildungsbereich müssen gesenkt und abgeschafft werden. Wir sollten die Signale verstehen und handeln", so AEC-Präsidentin Kolm.

Andere Industrienationen überholen Österreich
Österreich liegt bei der Effizienz seines Steuersystems weit abgeschlagen hinter den meisten anderen Industrienationen. Laut der von PwC für die Weltbank durchgeführten Studie "Paying Taxes" belegt Österreich nur Rang 104 unter 183 Ländern. In den letzten Jahren sei Österreich von vielen Nachbarländern - gerade auch aus Osteuropa - beim Steuersystem überholt worden. Die Steuerbelastung spielt bei Standort- und Investitionsentscheidungen von Unternehmen eine wichtige Rolle.

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