In 5. Generation

Familie betreibt seit 140 Jahren Stand auf Wiener Markt

Wien
29.07.2011 16:16
Am Viktor-Adler-Markt in Wien-Favoriten ist am Freitag ein ganz besonderes Jubiläum gefeiert worden: Seit mittlerweile 140 Jahren betreibt Familie Andrä, nun in fünfter Generation, den ältesten Stand am Markt. Auch Konsumentenschutzstadträtin Sandra Frauenberger kam, um zu gratulieren.

Reges Treiben herrscht auf dem Viktor-Adler-Markt in Wien-Favoriten: Alteingesessene Grätzelbewohner und einige Touristen sind am Freitagvormittag durch die engen Gassen zwischen den Hütten spaziert, wo verschiedene Waren feilgeboten werden. Viele von ihnen machten auch einen Zwischenstopp beim Obst- und Gemüsestand Nummer 6. Dieser wird seit 140 Jahren von ein und derselben Familie geführt. 

Ware anfangs noch in Körben angeboten
Begonnen hat alles im Jahr 1871 mit der Ururgroßmutter von Josef Andrä. Sie gehörte zu den Mitbegründern des Marktes: "Meine Ururgroßmutter hat sich einfach hierher gestellt. Damals ist jeder mit irgendetwas gekommen und hat versucht, es an den Mann zu bringen", erzählte der 61-Jährige, der zwischen 1982 und 2003 den Betrieb führte. Vor 140 Jahren, habe es am Eugenmarkt - wie der Viktor-Adler-Markt damals noch hieß - keine Hütten gegeben, vielmehr hätten die Händler ihre Waren in Körben feilgeboten.

Urgroßmutter Andrä habe das Obst und Gemüse dann schon in Fässern angeboten: "Darin wurde die Ware gelagert und verkauft", erzählte Josef Andrä. Zur Jahrhundertwende bauten seine Vorfahren schließlich einen Holzstand. Den Zweiten Weltkrieg überlebte der Markt, der dann schon Viktor-Adler-Markt hieß, nicht: Die Stände wurden durch Feuer zerstört, darunter auch jener der Andräs. Nach dem Krieg wurden Notbaracken geschaffen, um die Lebensmittelversorgung der Wiener zu verbessern. Diese Hütten wurden im Laufe der Zeit durch moderne Stände ersetzt. Die Familie Andrä baute ihren 1990 neu auf. Ende 2003 ging Josef Andrä krankheitsbedingt in Pension und seine Frau Susanne übernahm den Betrieb.

Als Baby schon auf Markt mitgenommen worden
"Ich bin mehr oder weniger am Markt aufgewachsen", erinnerte sich Josef Andrä, "meine Mutter hat mich seinerzeit bei 20 Grad minus im Geschäft noch gewickelt." Das Marktleben habe sich im Laufe der Zeit nicht geändert, nur das Angebot sei vielfältiger geworden: "Exoten, das haben die Leute früher überhaupt nicht gekannt. Ich kann mich erinnern, als Kind hat es Bananen gegeben, die würde heute kein Mensch mehr kaufen, weil die so hässlich waren. Jetzt muss alles einwandfrei sein, es darf kein Tupferl mehr drauf sein, kein Drücker."

Ihm sei es natürlich wichtig, gute Qualität anzubieten, erklärte Josef Andrä: "Wenn der Kunde schöne Ware bekommt, dann kommt er gerne wieder. Und er ist bereit, für gute Ware einen guten Preis zu zahlen." Mit der Kundschaft sei das Verhältnis familiär. Seine Frau Susanne ergänzte: "Wir haben 90 Prozent Stammkunden." Sie ist vor 32 Jahren in das Geschäft eingestiegen: "Es ist ein harter Job, aber wir machen das gerne."

Belastung und Arbeitsaufwand ist groß
Der Arbeitstag ist lang: Um 3 Uhr ist Tagwache, dann muss am Großmarkt Obst und Gemüse eingekauft werden. Um 6 Uhr öffnet der Stand, um 18 Uhr ist Sperrstunde. Diese Belastung halten nicht alle aus: "Alle, die gleichzeitig mit meinem Mann von den Eltern übernommen haben, haben binnen kürzester Zeit verkauft. Weil sie einfach die viele Arbeit nicht machen wollten", so Susanne Andrä. Doch ihr macht der Job Spaß.

Weniger Freude haben die Andräs mit den politischen Kundgebungen, die zu Wahlkampfzeiten häufig am Viktor-Adler-Markt stattfinden: "Wenn das normal ablaufen würde, hätte keiner etwas dagegen. Aber es muss immer extrem laut sein. Man kann mit einer Kundschaft nicht normal reden. Es ist eine Katastrophe - da wird nur geschrien und gedeutet. Und zu Mittag hast einen Hals, wie wennst im Stadion gewesen wärst", ärgerte sich Josef Andrä. Über den heutigen Besuch von Stadträtin Frauenberger freute er sich hingegen: "Das ist schon ein sehr erfreuliches Ereignis." Die Ressortchefin nahm das 140-Jahr-Jubiläum zum Anlass, der Betreiberfamilie für ihr Engagement zu danken.

Keine Nachfolger für Stand
Wie viele weitere Jubiläen die Familie mit ihrem Stand noch feiern wird, ist ungewiss, denn es gibt keinen Nachfolger. Die beiden Töchter wollen nicht einsteigen: "Wir werden das wohl oder übel verkaufen müssen. Dann ist die Ära leider zu Ende. Ich bin die fünfte Generation, eine sechste Generation wird's halt leider nicht geben", bedauerte Josef Andrä.

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