
Die Pandemie und andere Krisen hinterlassen ihre Spuren: Eine Mehrheit der Steirer empfindet den gesellschaftlichen Zusammenhalt als gering. Das zeigt das Solidaritätsbarometer der Caritas. Insbesondere das Thema Corona-Impfung sorgt für Spaltung.
Dieses Ergebnis ist eindeutig: Mehr als 90 Prozent der 1006 telefonisch Befragten des aktuellen Solidaritätsbarometers meinen, dass der Konflikt zwischen Covid-19-Geimpften und Ungeimpften den Zusammenhalt gefährdet. Dasselbe gilt allgemein für Ansichten zur Corona-Politik.
Daten, die zeigen, welche gesellschaftliche Sprengkraft die seit zwei Jahren andauernde Pandemie hat. Doch auch andere Konflikte werden in der Umfrage des Soziologen Florian Brugger sehr häufig genannt: Links/Rechts, Ansichten zur Klimapolitik sowie Ausländer/Inländer. Weniger spaltend werden die Gegensätze Männer/Frauen, Alt/Jung sowie Stadt/Land wahrgenommen.
Die meisten Befragten empfinden den gesellschaftlichen Zusammenhalt als gering und abnehmend.
Studienautor Florian Brugger
Objektiv ist Zusammenhalt aber groß
„Subjektiv empfinden viele den gesellschaftlichen Zusammenhalt als gering, sie vermissen ihn“, sagt Brugger. Doch interessanterweise zeigt dieselbe Umfrage, dass dieser Zusammenhalt objektiv sehr groß ist in der Steiermark. Eine überwiegende Mehrheit vertraut Institutionen wie Kirchen, Polizei und Justiz, aber auch anderen Menschen, ja sogar Fremden. Die meisten Befragten identifizieren sich mit Region und Land, fühlen sich subjektiv sicher, Arbeitsklima und Nachbarschaft werden als angenehm empfunden.
Diese große Diskrepanz in den Ergebnissen illustriert Brugger auch an einem kleinen Beispiel: So glaube eine Mehrheit, dass Einkommen und Vermögen nicht gerecht verteilt sind. Aber nur ein Drittel meint, dass man selbst mehr verdienen sollte.
Viele Steirer sind bereit zu helfen
Dieses Solidaritätsbarometer der steirischen Caritas wird nun bereits zum fünften Mal zum Start der traditionellen Haussammlung präsentiert. Auch wenn laut Umfrage die Spendenbereitschaft und das ehrenamtliche Engagement auf hohem Niveau etwas zurückgegangen sind, sind viele Steirer laut Caritas-Vizedirektorin Nora Tödtling-Musenblicher „in hohem Maß bereit, zu helfen und sich zu engagieren“.
Aber auch sie bekräftigt: Corona hat zu Bruchlinien bis in die Familien hinein gesorgt und das Vertrauen in Politik und Parteien erschüttert. Auch Beziehungen haben sich verändert: Es gab wenig Gelegenheiten zum Austausch, zum Teil haben sich die Steirer selbst isoliert.
Caritas will Brückenbauer sein
„Für die nächsten Jahre haben wir den großen Auftrag, Räume für Begegnungen zu schaffen und Brückenbauer zu werden“, sagt Tödtling-Musenbichler. Ein Startschuss ist die Haussammlung der Caritas. 2000 Ehrenamtliche sind ab Freitag in den steirischen Pfarren unterwegs, um für Menschen in Not in der Steiermark zu sammeln.
Nach zwei Jahren Pandemie müssen wir erst wieder lernen, dass jemand vor unserer Tür steht.
Caritas-Vizedirektorin Nora Tödtling-Musenbichler
Eine von ihnen ist Andrea Strimitzer aus der Pfarre Maria Kumitz in Bad Mitterndorf, die mit ihrer 89-jährigen Schwiegermutter unterwegs ist. „Wir gehen unvoreingenommen zu den Häusern. Oft spürt man die Einsamkeit. Wir schenken Zeit. Nach einem Gespräch geht man bereichernd nach Hause.“









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