Mo, 20. August 2018

Flüge gestrichen

24.05.2011 12:51

Vulkan Grimsvötn beeinträchtigt den Flugverkehr

Wegen einer von Island nach Süden ziehenden Aschewolke des Vulkans Grimsvötn haben am Dienstag mehrere Airlines Flüge von und nach Großbritannien gestrichen. Selbst bei einigen Transatlantikflügen kommt es nach Berichten der britischen BBC zu Verspätungen. Prominentes Opfer der isländischen Asche war am Montagabend das Ehepaar Barack und Michelle Obama. Der US-Präsident und seine Frau mussten vorzeitig von Irland nach London abreisen, um der Wolke zu entgehen.

Zehn Stunden früher als ursprünglich geplant landete die "Air Force One" am Montagabend auf dem Flughafen Stansted im Norden Londons. Obama, der am Dienstag von Queen Elizabeth II. im Buckingham-Palast empfangen werden soll, wollte mit der vorzeitigen Abreise einem drohenden Flugverbot wegen der Vulkanasche entgehen.

Flüge gecancelt, Tausende sitzen fest
Wie die BBC berichtete, stellten die Gesellschaften British Airways, Easyjet, Flybe, Aer Lingus, Loganair und Eastern Airways ihre Flugverbindungen von und nach Schottland am Dienstagvormittag ganz oder teilweise ein. Die niederländische KLM erklärte, dass zudem 16 Flüge von und nach Großbritannien gestrichen werden. Diesem Beispiel folgten auch andere Fluggesellschaften, denn bisher sind rund 250 Flüge im britischen Luftraum abgesagt worden, teilte die europäische Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol mit.

Wegen der Flugstreichung sind am Dienstag außerdem Tausende Reisende in Schottland festgesessen. Die britische Luftverkehrsbehörde NATS teilte am frühen Morgen mit, dass die Flughäfen Glasgow und Edinburgh bereits in der Nacht von den Beeinträchtigungen betroffen gewesen seien.

Skandinavische Airlines fliegen trotz Aschewolke
Bei der Lufthansa gibt es dagegen keine Absagen, Interkontinentalflüge werden um die Aschewolke herumgeleitet, wie ein Sprecher am Dienstag mitteilte. Die Fluggesellschaften SAS und Norwegian wollen sogar in der Aschewolke des isländischen Vulkans fliegen. Laut der norwegischen Nachrichtenagentur NTB suchten die beiden skandinavischen Airlines am Dienstag vorsorglich um Fluggenehmigung bei einer Aschekonzentration zwischen zwei und vier Milligramm pro Kubikmeter Luft an.

Die genannte Aschekonzentration gilt laut den norwegischen Richtlinien als "mittelhoch" und ist laut aktueller Regelung bei der norwegischen Luftfahrtaufsicht in Bodö genehmigungspflichtig. Eine Konzentration in dieser Höhe wird für die kommenden Stunden sowohl im norwegischen als auch im westschwedischen Luftraum erwartet.

Aschewolke verbreitet sich zusehends
"Wenn der Vulkanausstoß mit der gleichen Intensität weitergeht, könnte die Wolke den Westen Frankreichs und den Norden Spaniens am Donnerstag erreichen", heißt es in einer Mitteilung der Europäischen Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol. Der spanische Fußballmeister FC Barcelona will deshalb seine Anreise zum Finale der Champions League gegen Manchester United vorziehen.

Die Aschewolke soll am Dienstag auch Richtung deutsche Küste ziehen. Bis zum Abend werde die Aschekonzentration an der Nordseeküste vermutlich Werte zwischen 0,2 und zwei Milligramm je Kubikmeter Luft erreichen, sagte Meteorologe Marcus Beyer vom Deutschen Wetterdienst. Bei diesen Konzentrationen seien Flüge nur unter besonderer Aufsicht möglich. Betroffen sei vor allem die norddeutsche Küstenregion.

Aschewolke könnte zu enormen Behinderungen führen
EU-Verkehrskommissar Siim Kallas sprach von einer "Woche voller Herausforderungen, die den Flugpassagieren bevorstehen könnte". Wegen des besseren Krisenmanagements sei aber nicht mit weiträumigen Schließungen des europäischen Luftraums zu rechnen.

Professor Ulrich Schumann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln sagte: "Wenn der Vulkan Mitte der Woche noch aktiv ist, könnte es die Asche nach Europa tragen und so zu einer größeren Beeinträchtigung des Luftverkehrs am Wochenende kommen. Aber das weiß eben noch keiner. Es kann auch sein, dass die Partikel doch schon vorher runterfallen."

Jeder Staat entscheidet selbst darüber, ob er seinen Luftraum schließt - die EU-Luftsicherheitsexperten geben nur Empfehlungen ab. Das europäische Krisenzentrum EACCC empfahl den Staaten am Montag, die Airlines selbst entscheiden zu lassen, ob sie in Gebieten mit Ascheteilchen fliegen wollen oder nicht. Fluggesellschaften beklagen, dass es nach wie vor keinen einheitlichen, absoluten Grenzwert gibt, bei dem alle Flugzeuge am Boden bleiben müssen.

Keine Auswirkungen auf Österreich
Mit Auswirkungen auf den österreichischen Luftraum ist laut Austro Control nach vorläufigen Berechnungen nicht zu rechnen. Seit Bekanntwerden der Situation beobachten der Flugwetterdienst und die Flugsicherung der Austro Control die Situation und analysieren die Lage, sagte Austro Control-Sprecher Markus Pohanka. Zumindest bis zum Wochenende sollten keine Probleme auftreten, danach gibt es noch keine präzisen Vorhersagen - zu viel hängt von weiteren Eruptionen und von der Windrichtung ab, so Austro Control-Vorstand Heinz Sommerbauer.

Auch die AUA zeigte sich optimistisch: "Wir gehen derzeit davon aus, dass wir unsere Flüge wie geplant durchführen können", so Austrian Airlines-Sprecher Michael Braun. Selbst Langstreckenflüge, die über Russland führen, sollen nicht betroffen sein.

Vulkan schleudert Asche in die Luft
Der Grimsvötn, der unter dem größten Gletscher Islands, dem Vatnajökull liegt, war am Samstag ausgebrochen. Der Vulkan schleuderte seine Asche teilweise mehr als 20 Kilometer hoch in den Himmel.

Aktuelle Radaranzeigen machten deutlich, dass die Aschewolke nicht mehr so hoch wie kurz nach dem Ausbruch des Grimsvötn am Samstag ist. Experten gehen von fünf bis sieben Kilometern aus, wie auch die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien meldete. "Die Intensität dürfte nachgelassen haben". Die Wetterverhältnisse in Island machten es allerdings schwierig, die Größe und Höhe der Wolke genau einzuschätzen, sagten Meteorologen des Landes.

Der Ausbruch des Grimsvötn weckt Erinnerungen an die Behinderungen im europäischen Flugverkehr vor rund einem Jahr, als der Vulkan Eyjafjallajökull zu massiven Flugausfällen in weiten Teilen Europas geführt hatte.

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