Do, 20. September 2018

Afghanistan-Aufruhr

18.05.2011 14:46

Tote nach Protesten vor Bundeswehr-Lager

Bei Protesten gegen die Bundeswehr und andere NATO-Truppen in Afghanistan sind am Mittwoch zwölf Menschen getötet und mehr als 80 verletzt worden. In der nordafghanischen Stadt Talokan schossen nach Angaben der Behörden afghanische Polizisten auf eine Menge von etwa 3.000 wütenden Demonstranten, die gegen eine nächtliche Razzia protestierten.

Im Verlauf der Proteste wurde auch ein Außenposten der deutschen Bundeswehr mit Handgranaten und Brandsätzen angegriffen. Dabei seien zwei deutsche Soldaten und vier afghanische Wachmänner verletzt worden, teilte das Einsatzführungskommando in Potsdam mit. Der Zustand der Bundeswehr-Soldaten sei stabil.

Auslöser der Unruhen war ein ISAF-Einsatz zusammen mit afghanischen Soldaten in Talokan, bei dem nach Angaben des örtlichen Polizeichefs Shah Jahan Nuri zwei Männer und zwei Frauen erschossen wurden. "Ich verurteile aufs Schärfste diesen brutalen Angriff, bei dem nur Zivilisten getötet wurden", sagte Nuri der Nachrichtenagentur Reuters. Erneut hätten falsche Geheimdienstinformationen zum Tod unschuldiger Afghanen geführt. Dagegen erklärte die ISAF, bei den Getöteten handle es sich um Aufständische. Auch die beiden Frauen seien bewaffnet gewesen.

Immer mehr Berichte über getötete Zivilisten
Aus Afghanistan häufen sich die Berichte über getötete Zivilisten. Am Montag töteten ausländische Truppen in der Provinz Kunar nach Angaben der Provinzregierung ein zehnjähriges Mädchen und verletzten vier weitere Kinder. Bei einer Razzia in Nangarhar erschossen NATO-Soldaten am Samstag aus Versehen einen 15-Jährigen. Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat die ausländischen Truppen wegen der anhaltenden Todesfälle von Zivilisten scharf kritisiert.

Auf die jüngste Razzia in Talokan, etwa 70 Kilometer östlich von Kunduz, reagierte die Bevölkerung mit einem mehrstündigen Protestmarsch durch die Innenstadt, der schließlich in Randale und dem Angriff auf den Bundeswehr-Posten mündete. Die Demonstranten skandierten dabei Parolen wie "Tod Amerika" und "Tod Karzai". In der Innenstadt zerstörten sie Geschäfte und Fahrzeuge. Viele waren mit Äxten und Spaten bewaffnet.

44 Bundeswehr-Soldaten in umringtem Lager
Bei den Zusammenstößen vor dem Außenposten seien vermutlich vier Demonstranten getötet und zehn weitere verletzt worden, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin. Aus der Menge seien auch Schüsse gefallen, wobei noch unklar sei, wie die Demonstranten an die Schusswaffen gelangen konnten. Zum Zeitpunkt der Proteste hätten sich 44 Bundeswehr-Soldaten in dem Lager aufgehalten. Talokan ist die zehntgrößte Stadt Afghanistans.

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