17.02.2022 15:03 |

Olympia 2026

Sind die Mailand-Winterspiele wirklich nachhaltig?

Wintersport-Tradition statt neuer Märkte, bekannte Pisten und Anlagen statt Einwegbauten: So wollen Mailand und Cortina d‘Ampezzo 2026 bei der Olympia-Rückkehr nach Mitteleuropa überzeugen. Nach den künstlichen Spielen von Sotschi, Pyeongchang und Peking setzen die Italiener in vier Jahren auf heimelige Alpen-Wärme und Nachhaltigkeit. Dieser Fokus hat aber seinen Preis, etwa mit extremen Entfernungen zwischen den einzelnen Wettkampfstätten und gleich drei olympischen Dörfern.

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Nicht nur deswegen stellt sich der Sportwelt einmal mehr die Frage: Wo können künftig überhaupt noch Winterspiele ausgetragen werden?

Die Events in Norditalien sollten beispielhaft sein für die zukünftigen Olympischen Winterspiele, hofft das Internationale Olympische Komitee (IOC). Gemeint ist vor allem die Nutzung bereits vorhandener Wettkampfstätten: Die Skirennfahrer rasen auf den etablierten Weltcup-Strecken von Bormio und Cortina den Berg hinunter, die nordischen Ski-Asse wetteifern im Val di Fiemme. Die Biathleten treten in Antholz an, für Eiskunstlauf wird eine Halle in Mailand bezogen.

Schlussfeier im Amphitheater von Verona
Die Schlussfeier der Spiele soll in der weltberühmten Arena von Verona steigen. Das antike Amphitheater wurde vor zwei Jahrtausenden von den Römern erbaut - viel nachhaltiger geht es kaum.

„Es wäre doch absurd, Orte vorzuschlagen, wo es die meisten Anlagen noch gar nicht gibt“, sagt Vanda Bonardo von der Internationalen Alpenschutzkommission (CIPRA). Die Nutzung von meist vorhandenen Anlagen sei zu begrüßen. Im Hinblick auf den Neubau der Bobbahn von Cortina und der Überdachung der Eisschnelllaufbahn in Baselga di Piné aber hat sie „große Zweifel, ob dies wirtschaftlich und umwelttechnisch nachhaltig ist“, wie die Naturschützerin der Deutschen Presse-Agentur sagt.

Befrürchtungen bei Brignone
CIPRA rief das IOC und die italienischen Organisatoren im Jänner in einem offenen Brief auf, ihre Olympia-Pläne anzupassen und etwa den Eiskanal von Innsbruck-Igls für Rodeln, Bob und Skeleton zu nutzen. Die Kunsteisbahn in Tirol ist 400 Kilometer von Mailand entfernt und damit noch weiter als das Biathlon-Zentrum von Antholz mit mehr als 350 Kilometern. Das ist die Kehrseite der Nachhaltigkeits-Medaille: Noch nie waren die wichtigsten Sportstätten bei Winterspielen so weit voneinander entfernt, ein Pendeln dazwischen ist kaum möglich.

Dies trübt selbst bei Italienern die Vorfreude: Skirennläuferin Federica Brignone sorgte in dieser Woche für Aufsehen mit der Prognose, dass sie in vier Jahren keinen olympischen Geist erwarte bei den zerstückelten Spielen mit der Aufteilung der Sportler auf drei olympische Dörfer. Nicht einmal alle alpinen Ski-Sportler werden an einem Ort sein: Die Männer fahren in Bormio, die Frauen in Cortina.

Man muss sich auf verzerrte Winterspiele einstellen
Wäre bei der Vergabe Stockholm/Aare zum Zug gekommen, so wären die Entfernungen noch größer gewesen: Zwischen den beiden Orten in Schweden liegen mehr als 600 Kilometer.

Der Wintersport muss sich auch künftig auf weit verzerrte Spiele einstellen. Barcelona etwa prüft eine Bewerbung für Olympia 2030 mit Bob- und Rodelevents in den französischen Alpen rund 800 Kilometer entfernt. Der Bau einer Eisbahn komme in Spanien nicht in Frage.

Olympia 2034 in Kärnten?
Dass zu den logistischen Herausforderungen auch noch meteorologische kommen, erschwert die Suche nach Gastgebern. Durch die Folgen des Klimawandels drohen immer mehr Orte auszuscheiden. Jüngst errechnete eine internationale Studie, dass wegen des aktuellen CO2-Anstiegs von den bisherigen 21 Winterspielorten im Jahr 2050 nur noch vier (Lillehammer, Oslo, Lake Placid und Sapporo) auf verlässlich faire Bedingungen hoffen könnten.

Sapporo gehört auch zum Kandidatenkreis für die Spiele 2030. Die Japaner machen sich große Hoffnungen, sind schon tief in den Planungen. Auch Salt Lake City in den USA und das kanadische Vancouver gelten als mögliche Bewerber. Kärnten kann sich eine gemeinsame Bewerbung für 2034 mit Friaul und Slowenien vorstellen. Um angebliche Interessenten aus Buenos Aires, der Ukraine und Georgien ist es hingegen ruhig geworden.

krone Sport
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