Seit 1895 steht Frank Wedekinds Figur Lulu für Selbstentfaltung und Kritik an der Scheinmoral der Gesellschaft. Stasa Zurovac hat dem Charakter ein „Tanz-Theater-Musik-Monodrama“ gewidmet, das am Samstagabend mit Andressa Miyazato in der Rolle der Lulu im Schauspielhaus Linz aufgeführt wurde.
„Lulu“ ohne die Männer, die ihren Lebensweg so sehr prägen. Kann das funktionieren? Regisseur Stasa Zurovac beweist es mit seinem Tanzstück für eine Person - er konzentriert sich in seiner Choreografie rein auf die innere Zerrissenheit der Figur, die männliche Einwirkung von außen wird auf ein einengendes schwarzes Sakko reduziert.
Zur intensiven Live-Musik von Komponist und Geiger Alexander Balanescu (Ton: David Kent) tanzte und spielte auf der ansonsten fast leeren Bühne des Linzer Schauspielhauses Andressa Miyazato. Schicht für Schicht legte sie Lulus Seelenzustände frei - auch buchstäblich, bis sie nur noch von einer dünnen Schicht Stoff bedeckt war (Kostümebildnerin: Bjanka Adzic Ursulov). Wie in Trance ging sie über die Bühne und bedeckte sie dabei mit roten Rosen, nur um sich dann in die Dornen einzuwickeln. Sie bäumte sich unter Qualen auf und fiel wieder ganz klein in sich zusammen. Sie gab Lulu mit ihrem Körper eine einzigartige Stimme, ganz ohne etwas zu sagen. Eine knappe Stunde dauerte der Seelenstriptease dieser so wichtigen literarischen Frauenfigur - Miyazato ging ganz in ihrer Rolle auf und zog die Zuschauer im Saal in ihren Bann. Zahlreiche Bravo-Rufe und Standing Ovations für einen einzigartigen Tanztheater-Abend.
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