Concordia-Havarie

Schaden: „War unklar, ob wir Unglück überleben“

Salzburg
13.01.2022 13:00

Sechs Grad Wassertemperatur, stockdunkle Nacht und ein Mega-Dampfer, der im Sinken begriffen ist. Was klingt wie die Vorschau eines Hollywood-Thrillers, sind Schilderungen aus der Erinnerung von Heinz Schaden. Der ehemalige Salzburger Bürgermeister überlebte die Havarie der Costa Concordia, die sich heute zum 10. Mal jährt.

„Es war eine Zeit lang unklar für mich, ob wir das überleben werden“, erinnert sich der ehemalige Salzburger Bürgermeister Heinz Schaden an die Nacht des 13. Jänners 2012. „Das Wasser hatte sechs Grad. Von Bord zu springen wäre für mich die letzte Option gewesen“, schildert er.

Heinz Schaden war, wie 76 andere Österreicher auch, auf einer bis dato „recht langweiligen Kreuzfahrt“ durch das Mittelmeer unterwegs. Was dann jedoch am Freitag, den 13. Jänner 2012 geschehen sollte, hätte sich so mancher Hollywood-Drehbuchautor nicht auszudenken vermocht. Gegen 20.45 Uhr spürten Passagiere der Costa Concordia „ein paar Minuten lang eine Art Erdbeben am Schiff“ – so fühlte es sich zumindest für Heinz Schaden an, als ein Fels an der Inselküste Giglios ein etwa 70 Meter langes Loch in den Rumpf des Mega-Dampfers riss. „Die Schräglage des Schiffes war schnell so stark, dass man aus den Restaurants hören konnte, wie Geschirr zu Bruch ging.“ Trotz der bedrohlichen Lage fühlte sich Schaden von der Besatzung alleine gelassen. „Entgegen dem Drill bei der Einschiffung, waren nach der Havarie keine Mitglieder der Mannschaft zu sehen, die den Passagieren den Weg hätten weisen können.“ Schaden verließ das Schiff relativ spät, half noch andere Personen zu evakuieren.

„Wie ein Erdbeben“: Das Schiff wurde seitlich aufgeschlitzt (Bild: EXPA/ laPresse/ Federico Scoppa)
„Wie ein Erdbeben“: Das Schiff wurde seitlich aufgeschlitzt

Privatpersonen beteiligten sich mit Booten an Rettung
„Auch private Boote fuhren einen Shuttledienst zwischen dem Hafen und dem Schiff. Sonst hätten es nicht alle rund 4000 Passagiere von Bord geschafft“, meint Heinz Schaden.

Die Saalfeldenerin Sigrid Berka, damals Generalkonsulin in Mailand, war anschließend mit der Suche nach havarierten Österreichern beschäftigt. „Wir haben jedes Krankenhaus in der Gegend abtelefoniert, um alle zu finden“, sagt Berka. „Als wir am Abend des 14. Jänners sicher waren, dass alle österreichischen Passagiere am Leben sind, war das ein unvergesslich erleichternder Moment.“

Das 290 Meter lange Schiff kam vor der italienischen Insel Giglio schräg zum Liegen. (Bild: Gregorio Borgia)
Das 290 Meter lange Schiff kam vor der italienischen Insel Giglio schräg zum Liegen.

Auch Heinz Schaden ist froh, dass er das Unglück ohne bleibende Traumata überlebt hat. „Ich kann heute wieder ohne Angst mit Schiffen fahren.“

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