08.01.2022 06:00 |

Meteorologe warnt:

Der Südoststeiermark drohen Tornados

Das neue Jahr hat für die Steirer gleich mit einem Temperatur-Rekord begonnen: 18,8 Grad wurden in Köflach zu Neujahr gemessen. Auf welche Wetterextreme wir uns 2022 einstellen müssen, darüber haben wir mit dem Klima-Experten Alexander Podesser gesprochen.

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„Steirerkrone“: Das neue Jahr fing bereits mit einem besorgniserregenden Rekord an: Fast 19 Grad plus wurden im weststeirischen Köflach gemessen, so warm war es an diesem Tag noch nie zuvor in der steirischen Messgeschichte. Worauf müssen sich die Steirer 2022 einstellen?
Alexander Podesser:
Was die Prognosen von Naturkatastrophen betrifft, muss man grundsätzlich festhalten, dass die Häufigkeit und Heftigkeit der meisten Naturkatastrophen stark von der zukünftigen Entwicklung der menschengemachten Treibhausgas-Emissionen abhängt. Ob diese moderat oder doch noch weiterhin stark zunehmen werden – das wird für uns entscheidend sein.

Österreich ist da ja auf keinem guten Weg, von der angestrebten Reduktion der Treibhausgase kann nach wie vor keine Rede sein.
Das stimmt. Da sind wir auch schon beim Problem: Treiber für zukünftige Umweltkatastrophen ist klar der Anstieg der Temperaturen, die parallel zum CO2-Anstieg verlaufen. Höhere Temperaturen bedeuten mehr Energie in der Atmosphäre – also nichts Gutes.

Gewitter und Starkregen als Folge haben wir im Sommer 2021 ja in Graz erlebt. Werden solche Ereignisse häufiger auftreten?
Hierzulande gab es zwar auch in der Vergangenheit immer wieder außergewöhnliche Wettersituationen, aber in letzter Zeit werden diese mehr, das steht fest. Der Starkregen in Graz am 30. Juli 2021 mit bis zu 160 Millimeter Niederschlag in nur drei Stunden – das gab’s noch nie. Aber auch weltweit war 2021 ein außerordentliches Katastrophenjahr: von der Jahrhundertflut in Deutschland im Juli über den Tornado in Südmähren bis zu der Jahrtausend-Hitze im Westen Kanadas im Juni.

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Eines der Hauptverbreitungsgebiete für Tornados ist die Südoststeiermark.

Alexander Podesser, Meteorologe

Viele Superlative in einem Atemzug. Mit welcher Art von Umweltkatastrophen müssen die Steirer vermehrt rechnen?
Mit Steinschlag durch das Auftauen von Permafrost im Hochgebirge bzw. durch Frostsprengung aufgrund des häufigeren Wechsels von Gefrieren und Auftauen im Winter sehen wir uns bereits jetzt öfters konfrontiert. Punktuelle Starkregen-Niederschläge mit Hagel und Starkwinden nehmen ebenso zu - mit all ihren Folgen wie Überflutungen oder etwa Muren.

Könnten uns auch Naturkatastrophen wie etwa Wirbelstürme treffen, die sonst im Alpenraum eher nicht zu erwarten sind?
Leichte Tornados kommen in Österreich bereits sechs- bis achtmal pro Jahr vor. Das Hauptverbreitungsgebiet ist neben dem Wiener Becken und dem Tullner Feld die Südoststeiermark. Die Frage ist immer, ob ein Tornado auf bewohntes Gebiet trifft, wie im Juni 2021 an der tschechisch-österreichischen Grenze.

Auf wie viele sogenannte Tropentage, also Tage mit Höchstwerten von mindestens 30 Grad, müssen wir uns einstellen?
Am Beispiel Graz kann man die Entwicklung gut ablesen: Zwischen 1951 und 1980 lag die mittlere Anzahl an Tropentagen bei vier, 1991 bis 2020 lag dieser Wert bei 17,4. 2003 hatten wir im Sommer überhaupt gleich 41 solcher Tage.

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Im Jahr 2100 wird es im Sommer bis zu vier Grad wärmer sein.

Alexander Podesser, Meteorologe

Was sagen denn Langfristprognosen für die Steiermark voraus?
Je nach CO2-Szenario ist für das Jahr 2100 in der Steiermark mit einem Anstieg der mittleren Temperatur im Winter von bis zu 4,5 Grad und im Sommer von bis zu 4 Grad zu rechnen.

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