31.12.2021 23:10 |

„Zu Recht gutes Image“

Rauchfangkehrer: Die Glücksbringer der Nation

Auf ins neue Jahr! Kurz vor dem Jahreswechsel begleitet die „Krone“ ein Rauchfangkehrer-Team in der Bundeshauptstadt - die Profis in Schwarz sind auch Feuer- und Klimaschützer!

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Margaretenstraße/ Ecke Reinprechtsdorfer Straße an einem frühen Vormittag kurz vorm Jahreswechsel in Wien: Die Sonne lacht vom Himmel, aber der Wind pfeift eisig durch die Straßen, und die Temperaturen sind knapp über dem Gefrierpunkt.

„Wir müssen hier eine Brennwert-Therme überprüfen“, sagte Rauchfangkehrer-Geselle David Krammel (37) im Gespräch mit der „Krone“, als wir auf seine Kollegen Michael Jurka (36), Andreas Borsits (48) und Chef Peter Hönig (50) warten.

Im ersten Stock eines Altbaus klopfen die Glücksbringer der Nation an eine Türe - eine Frau mit ihrem kleinen Kind im Arm öffnet. Trotz gewisser Verständigungsprobleme mit der Mieterin werden die Sprachbarrieren mit Händen und Füßen umwunden, und es ist klar, was zu tun ist - denn Rauchfangkehrer sind auch der Nicht-Österreicherin in der Alpenrepublik ein Begriff!

Im Inneren der Wohnung im 5. Wiener Gemeindebezirk, dann die Befundung der Profis in Schwarz. Krammel sagt: „Wir haben mit einer Leckraten-Prüfung überprüft, ob der Innenrand des Rohres dicht ist. Alles o.k.“

„Unser Berufsstand hat gutes Image zu Recht!“
Doch woher kommt es eigentlich, dass Rauchfangkehrer als Glücksbringer „durchgehen“? „Wir werden auf der Straße oft angesprochen und auch angegriffen, um Glück zu bringen“, lachte der stellvertretende Wiener Innungsmeister Hönig und bekräftigte: „Das ist gut so. Unser Job hat einfach ein gutes Image!“

Im Mittelalter war die Aufgabe der Rauchfangkehrer in erster Linie der vorbeugende Brandschutz, aktuell ist es auch der Umwelt- und vor allem der Klimaschutz: Durch Abgasmessungen, deren Werte im Rahmen einer Überwachungsstelle gewertet werden können. Fallen dabei abweichende Abgaswerte auf, ist eine sofortige Wartung fällig. Die Zahlen für den Umwelt- und Klimaschutz sprechen eine eindeutige Sprache: Ordentlich gewartete Anlagen verbrauchen bis zu 10 Prozent weniger Energie und produzieren weniger Treibhausgase. Alleine in Wien werden pro Jahr etwa 12.000 Feuerstätten aufgrund eines zu hohen Schadstoffausstoßes bemängelt.

Der Energiebedarf und die CO2-Emissionen im Fokus
So tragen die Rauchfangkehrer maßgeblich dazu bei, Energiebedarf und CO2-Emissionen nicht unnötig ansteigen zu lassen. In ganz Österreich sind rund 600 Betriebe mit 2500 Rauchfangkehrern und Rauchfangkehrerinnen registriert - etwa 20 Prozent der Kaminexperten sind weiblich.

Einzig in Wien gibt es jedoch mehr Anfragen für Lehrstellen als Ausbildungsplätze. „In Tirol ist es leider umgekehrt, uns fehlt der Nachwuchs“, so Lukas Unteregger (56) aus Innsbruck, Rauchfangkehrermeister in dritter Generation. Dabei ist es kein beinharter und rußiger Knochen-Job mehr, wie früher einmal, die Anforderungen werden immer spannender.

Trotzdem gehört zur Grundausstattung - als die „Krone“ mit den Glücksbringern der Nation unterwegs ist - der klassische Sternschlüssel am Gürtel, um die Kamintüren zu öffnen. Dann ein Schöpfer, um Ruß zu entfernen, der obligate Bartwisch, Stoßbürsten, Kehrkugel und der Cimperling für die Reinigung extralanger Rohre. „Dabei sind unsere wichtigsten Arbeitswerkzeuge die Messgeräte“, betonte Hönig.

Daten und Fakten

Berufsbild Rauchfangkehrer: Drei Jahre Lehre, mit Matura nur zwei Jahre, um die Lehrabschlussprüfung zu absolvieren. Anschließend Möglichkeit zur Meisterprüfung.
600 Betriebe sind in Österreich beheimatet und rund 2500 Rauchfangkehrer aktiv.
Zu den hauptsächlichen Tätigkeiten zählen unter anderem: Luftverbund-Überprüfung, Hauptkehrung, Brandschutz, Befunderstellung, freie Fluchtwege kontrollieren - Dachböden wegen Brandgefahr unter die Lupe nehmen und die Abgasmessung.
Wissenswertes über die 500-jährige Geschichte der Wiener Rauchfangkehrer im Wiener Rauchfangkehrer Museum. Mehr Infos gibt es unter www.rauchfangkehrermuseum.at

Der Wiener Rauchfangkehrermeister, der seinen Betrieb in vierter Generation führt, weiter: „Eine weitere vollkommen unterschätzte Gefahr in den meisten Mehrparteienhäusern sind Schuhkästen, Blumenstöcke oder andere Objekte, die vor der Türe stehen.“

Warum? Weil sie zum einen Brandgefahr darstellen und zum anderen können sie im Notfall wichtige Fluchtwege versperren. „Uns wäre es daher wichtig, dass wir auch in den Neubauten Feuerpolizeiliche Überprüfungen durchführen können.“

Matthias Lassnig
Matthias Lassnig
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