26.12.2021 08:43 |

Trauer in Südafrika

Kämpfer gegen Apartheid: Desmond Tutu gestorben

Erzbischof Desmond Tutu, Friedensnobelpreisträger und Veteran des südafrikanischen Kampfes gegen die weiße Minderheitsherrschaft, ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Das teilte die südafrikanische Präsidentschaft am Sonntag mit. Der emeritierte Erzbischof galt auch im hohen Alter noch als die moralische Stimme seines Landes.

Ob Rassendiskriminierung oder andere Ungerechtigkeit: Tutu fand stets klare Worte. Als streitbarer anglikanischer Gottesmann wurde er zur Stimme des Widerstands und erhielt 1984 für seinen gewaltlosen Einsatz gegen das Apartheidregime den Friedensnobelpreis. Er sei ein pragmatischer und prinzipienfester Mensch gewesen, schrieb Präsident Cyril Ramaphosa. „Der Tod des emeritierten Erzbischofs Desmond Tutu ist ein weiteres Kapitel der Trauer im Abschied unseres Landes von einer Generation herausragender Südafrikaner, die uns ein befreites Südafrika hinterlassen haben“, betonte Ramaphosa.

Kritik an Missständen in Mandela-Partei
Der am 7. Oktober 1931 in der Bergbaustadt Klerksdorp bei Johannesburg geborene Tutu war nach dem Ende der Apartheid einer der Verfechter der Aussöhnung zwischen Schwarzen und Weißen. Er übernahm 1996 den Vorsitz der Wahrheits- und Versöhnungskommission, die Verbrechen in der Zeit der Rassentrennung aufarbeitete. Obwohl er sich dem heute regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) seines Freundes Nelson Mandela im Anti-Apartheid-Kampf verbunden fühlte, kritisierte er den ANC später für Missstände oder Fehlentwicklungen.

Aus der Öffentlichkeit zog er sich nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika immer mehr zurück. Obwohl er zunehmend zur Behandlung ins Krankenhaus musste, meldete Tutu sich aber bei ihm ungerecht erscheinenden Ereignissen noch immer stets lautstark zu Wort. Er hinterlässt seine Frau Leah und vier Kinder.

Kuss für den kleinen Archie
Einen seiner letzten öffentlichen Auftritte hatte er Mitte September 2019, als ihm der britische Prinz Harry bei einer Afrikareise seine kleine Familie vorstellte und der bereits sehr gebrechlich wirkende Desmond Tutu dem kleinen Archie einen Kuss auf die Stirn hauchte.

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