Botschaft vom Bischof

Weihnachten 2021 mit dem Leid der Pandemie

Die Botschaft von Diözesanbischof Manfred Scheuer an die „Krone“-Leser, seine Gedanken zur ärmlichen Geburt von Jesus in Bethlehem und große Sehnsucht nach Menschlichkeit...

Artikel teilen
Drucken
Kommentare
0

Eine der beeindruckendsten Krippendarstellungen im deutschen Sprachraum, die Krippe im Linzer Mariendom, ist restauriert worden. Eine Besonderheit dieser Krippe ist, dass sie im Laufe des Advents umgebaut wird und sich in jeweils unterschiedlicher Darstellung zeigt. Während der Adventzeit, der Zeit der Erwartung, fehlt die Heilige Familie in der Krippendarstellung. Erst am 24. Dezember sind Maria und Josef mit einem neugeborenen Jesuskind zu sehen. Drei Engel „beschützen“ die Krippe, und davor stehen oder knien Hirten mit Tieren und den Gaben, die sie dem Kind darbringen.

Ab 6. Jänner ist Jesus als zweijähriges Kind dargestellt, und die Sterndeuter aus dem Orient mit Dienern sowie Elefant, Kamele und Pferde ergänzen die Szenerie. Die Krippe hat etwas Faszinierendes. Das lässt manchmal vergessen, dass die Umstände der Geburt Jesu genau betrachtet erbärmlich waren.

Die Geburt in Bethlehem
Um das zu veranschaulichen, hatte der heilige Franz von Assisi 1223 die Idee, die Geburtsszene von Bethlehem nachzustellen. „Ich möchte das Gedächtnis an jenes Kind begehen, das in Bethlehem geboren wurde, und ich möchte die bittere Not, die es schon als kleines Kind zu leiden hatte, wie es auf Heu gebettet wurde, so greifbar wie möglich mit leiblichen Augen schauen.“

Ein Gott der Realität
Er wählte eine Felshöhle aus, die als Stall benutzt wurde; ein Säugling lag in einer strohbedeckten Futterkrippe, ein Esel und ein Ochse standen an der Seite. Die uns allen so vertraute Ausstattung der Weihnachtskrippen – auch die im Mariendom – hat hier ihr Vorbild. Was man in den Nachbildungen aber nicht umzusetzen vermag, ist der Gestank, die mangelnde Hygiene. Gott war sich nicht zu schade für diese Zustände. Gott ist kein Gott der Perfekten und Vollkommenen, er ist ein Gott, der die menschliche Realität am eigenen Leib kennenlernte.

Viel Leid durch Pandemie
Die vergangenen Wochen waren nicht einfach. Überfüllte Intensivstationen, überlastetes Gesundheitspersonal. Verschobene Operationen. Viele Menschen sind an Covid-19 gestorben. Auch am heurigen Weihnachtsfest können wir nicht zurückschauen auf die Pandemie. Sie ist weiterhin Teil unseres Alltags, und viele leiden unter dieser Situation. Das Leichte, das uns an Weihnachten in all den Jahren davor umfangen hat – ist es verloren gegangen? Ist die weihnachtliche Fröhlichkeit gemeinsam mit den abgesagten Adventmärkten flöten gegangen? Dieser Advent hat uns die Zerbrechlichkeit und die Kostbarkeit des Lebens vor Augen geführt. Das Wunder des Lebens erlaubt es uns nicht, damit zu spielen oder ein menschliches Leben höher zu bewerten als ein anderes

Die Bedeutung des Lebens
Gerade die Botschaft von Weihnachten bringt diese Bedeutung des Lebens auf den Punkt. Mit der Geburt Jesu bejaht Gott das menschliche Leben von Anfang an – ungeachtet von Herkunft und sozialem Status, er macht sich gleich mit denen, die besonders Hilfe bedürfen. Unsere Krippen haben aus gutem Grund keinen Palast, keine Burg oder ein stattliches Anwesen im Zentrum. Im Zentrum steht ein Stall und mit ihm die Bedürftigkeit, die Ausgesetztheit und die Armut.

Das Fest der Sehnsucht
Weihnachten ist ein Fest, das unsere Sehnsucht nach Menschlichkeit, nach Geliebtsein unter allen Umständen ausdrückt. Nicht umsonst ist es ein Fest, bei dem wir alle, die uns wichtig sind, um uns haben wollen, sie beschenken wollen. Weihnachten lädt uns ein, Freundinnen und Freunde des Lebens zu sein. Es lädt uns ein, Lebensräume zu schaffen, in denen Menschen Ja zum Leben sagen können.

Sehnsucht und Hoffnung
Den Weg auf Weihnachten hin kann man so als Sehnsuchtsweg zur Krippe hin beschreiben. Es ist eine Sehnsucht da, dass unsere Lebensfreude und unsere Hoffnung wachsen möge, dass die Begegnung mit dem Gotteskind in der Krippe unser menschliches Schlamassel heil machen kann.

Gehen wir hin zur Krippe
Der Weg zur Krippe kann eine tiefe Sehnsucht entfachen, dass es Versöhnung und Gerechtigkeit gibt, ein endgültiges Gelingen und Gutwerden des Lebens. Das ist die Botschaft von Weihnachten. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen gesegnete Weihnachten.

 OÖ-Krone
OÖ-Krone
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Freitag, 21. Jänner 2022
Wetter Symbol