15.12.2021 11:26 |

Insolvenzstatistik

5 Ex-Unternehmer haben 82 Millionen Euro Schulden!

Die Schlagzahl der steirischen Firmen-Insolvenzen hat sich in den vergangenen Wochen deutlich erhöht und ist bald wieder auf Vor-Krisen-Niveau, wie der Kreditschutzverband KSV1870 mitteilt. Eine riesige Pleitewelle wird aber auch 2022 nicht erwartet. Sprunghaft angestiegen ist die Schulden-Summe bei den Privatinsolvenzen. Das liegt vor allem an zahlungsunfähigen Ex-Unternehmern, fünf von ihnen bringen es zusammen auf 82 Millionen Euro Schulden.

Es war seit Ausbruch der Corona-Krise eine paradoxe Situation: Die Wirtschaft hing teilweise in den Seilen, doch es gab so wenig Insolvenzen wie schon lange nicht mehr. Der Grund waren zum einen die großzügigen Hilfen der öffentlichen Hand, zum anderen, dass sowohl Finanzamt als auch Krankenkassen lange keine Insolvenzanträge stellten.

Doch die Staatshilfen wurden mittlerweile zurückgefahren, Finanzämter und Gesundheitskassen stellen auch wieder Insolvenzanträge. Das spiegelt sich in der Statistik zum noch laufenden vierten Quartal wider: Laut KSV wurden seit Oktober-Beginn 123 Firmenpleiten in der Steiermark gezählt - das sind 34 Prozent des Gesamtjahres und bereits das Niveau des Vorkrisenjahres 2019!

Trendumkehr zeichnet sich ab
Insgesamt ist das Jahr 2021 aber noch ein statistischer Ausreißer nach unten. Sogar das ohnehin schon bemerkenswert niedrige Ergebnis von 2020 wird mit hochgerechnet 361 Fällen um sieben Prozent unterschritten, im Vergleich zum Jahr 2019 beträgt der Rückgang sogar 33 Prozent. Doch nun zeichnet sich eben eine Trendumkehr ab, die Rückstau an Firmenpleiten wird sukzessive abgebaut.

Fakten

  • Laut KSV-Hochrechnung ist am Jahresende mit 361 steirischen Firmeninsolvenzen zu rechnen (2020: 390 Pleiten), das ist ein Rückgang von 7,4 Prozent.
  • Die geschätzten Insolvenzverbindlichkeiten sanken deutlich: von 286 auf 169 Millionen Euro.
  • Auch die Zahl der betroffenen Dienstnehmer ging klar zurück: von 2977 auf 1528 Mitarbeiter.

Gesunken sind heuer auch die geschätzten Passiva um gleich 40 Prozent, die Zahl der betroffenen Dienstnehmer ist nur bei der Hälfte von 2020. „Firmenpleiten werden zunehmend kleinteiliger“, meint René Jonke, KSV1870-Leiter der Region Süd. Für 2022 erwartet er „keinen plötzlich auftretenden Insolvenzausbruch, sondern eine sukzessive Fortsetzung der jüngsten Entwicklung“. 500 bis 600 Fälle seien daher im nächsten Jahr durchaus realistisch. 

Zitat Icon

In den Monaten vor der Insolvenznovelle gab es in der Steiermark kurzfristig unterdurchschnittlich wenige Privatkonkurse, was sich nach dem Inkrafttreten der Gesetzesänderung wieder schlagartig geändert hat.

Rene Jonke, KSV1870

Deutliche höhere Schulden bei Privatpleiten
Bei den Privatinsolvenzen zeichnet sich heuer hingegen in der Steiermark ein Plus von 11,5 Prozent im Vergleich zu 2020 ab. Die Verbindlichkeiten sind auf 228 Millionen Euro gestiegen (plus 66 Prozent!), die durchschnittliche Schuldenhöhe liegt bei rund 256.000 Euro (2020: 173.000 Euro). Das liegt laut KSV vor allem daran, dass mehrere ehemalige Unternehmer wie Peter Kaßmannhuber und Harald Sükar ein Privatkonkursverfahren angemeldet haben, so ergeben alleine die fünf größten Privatinsolvenzen Schulden in der Höhe von 82 Millionen Euro!

„Die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass die Zahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren ab Mitte des Jahres deutlich an Dynamik zugelegt haben“, erklärt Jonke. Insgesamt sei die Zahlungsmoral der Privatpersonen aber über Jahre auf einem hohen Niveau, selbst die Corona-Krise sei „in den seltensten Fällen der Grund für nachhaltige Zahlungsschwierigkeiten oder gar einen Privatkonkurs. Die Menschen haben insbesondere in der Pandemie gelernt, mit ihren wirtschaftlichen Möglichkeiten auszuhalten.“ Die Entwicklung der Privatkonkurse für 2022 ist schwer zu prognostizieren, eine Rückkehr auf Vor-Krisen-Niveau sei aber vorstellbar.

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