Neuer LK-Präsident

„Wir brauchen jeden bäuerlichen Betrieb in OÖ“

Franz Waldenberger, Bio-Bauer in Pennewang, ist neuer Präsident der Landwirtschaftskammer in Oberösterreich. Er will nicht nur vor Ort Dinge bewegen, sondern auch auf EU-Ebene: „Größte Herausforderung ist der Green Deal“.

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Es sieht romantisch aus: Im Stall mit den Kühen, Hühner füttern und mit dem Steyr-Traktor über weite Felder tuckern. Doch Franz Waldenberger (52), Bio-Bauer „aus Überzeugung“ und seit vielen Jahren mit Agrarpolitik beschäftigt, kennt die Probleme: Klimawandel und als Kampfstrategie dagegen nun ein „Green Deal“ in der EU, der „unserer Landwirtschaft mehr schadet als nützt und dem Klima nichts bringt“, wie Waldenberger gegenüber der „OÖ-Krone“ betont. Ihm liegt übrigens jeder Landwirt, ganz egal ob konventioneller oder Bio-Betrieb, am Herzen.

„OÖ Krone“:Was kommt in der nächsten Zeit auf unsere Bauern in Oberösterreich zu?
Franz Waldenberger: Es gibt eine Menge gesellschaftliche Anforderungen, die kommen. Das stärkste Thema: Es geht um die Anpassung an den Klimawandel. Dabei ist das Ziel klar: Wie kann man Co2-Ausstoß reduzieren?

Die Land- und Forstwirtschaft ist aber als Allererstes vom Klimawandel betroffen.
Darum haben wir ein großes Interesse daran, dass es Aktivitäten gibt, um denCo 2-Ausstoß zu reduzieren. Die Landwirtschaft selbst trägt allerdings nur 10 Prozent bei. Natürlich wollen wir unseren Beitrag leisten. Aber man muss schauen, dass die Effekte, die man ansteuert, erreicht werden. Das ist mit dem aktuellen Green Deal nicht gegeben.

Man hört oft davon, aber was ist damit genau gemeint?
Die Herausforderung am „Green Deal“ ist die „Farm to Fork“-Strategie. (Anm.: „Vom Hof auf den Tisch“).

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Man kann nicht den Bauern in Europa strenge Vorgaben machen, aber die internationalen Handelsabkommen bleiben unverändert.

Franz Waldenberger

Was bedeutet das?
Laut den Vorschlägen der EU-Kommission sollen bis 2030 teilweise land- und forstwirtschaftliche Flächen stillgelegt und die Nutzung von Düngemitteln um die Hälfte reduziert werden. Mindestens 25 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in der EU sollen für Bioanbau genutzt werden.

Für mich als Konsument klingt das ja gut.
Es gibt ein Aber: Die Maßnahmen führen in Zukunft dazu, dass man durch die Einsparung an Düngemitteln die Produktion an Lebensmitteln in Europa stark zurückfährt, auch in Österreich. Laut aktueller Folgenabschätzung würde eine Gesamtmenge im Umfang der Ernte Deutschlands bei Getreide und Ölfrüchten wegfallen. Diese Menge wird aber für unsere Ernährung gebraucht.

Es müsste noch mehr importiert werden?
Ja, deutlich mehr als bisher aus Drittländern. Dort wird sicher nicht so umweltfreundlich produziert wie bei uns, der Transport kommt auch noch dazu.

Fragwürdig, ob das Klima dadurch etwas gewinnt.
Man kann nicht der europäischen Landwirtschaft strenge Vorgaben machen, aber die Handelsabkommen bleiben unverändert. So wie es jetzt ist, werden die klimaschädlichen Aktivitäten durch die Hintertür ausgelagert, eben u.…a. nach Südamerika oder in jene Länder, aus denen die Produkte dann importiert werden.

Kann man an diesen Vorgaben im „Green Deal“ noch etwas reparieren?
Das ist unser Ziel! Ich gehe davon aus, sonst gewinnt das Klima und damit die Menschheit nichts dabei.

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Mein Traum: Ein Ernährungssystem ohne Ausbeutung von Umwelt, Mensch, Tier oder Klima – ganz auf Basis einer regionalen Landwirtschaft.

Franz Waldenberger

Haben Sie als Präsident der Landwirtschaftskammer in Oberösterreich überhaupt die Chance, mitzureden und etwas zu beeinflussen?
Ja, ich denke schon. Österreich ist in den EU-Gremien vertreten, auch im Bereich Landwirtschaft. Es muss ja auf den verschiedensten Ebenen Rückmeldungen auf die Maßnahmen geben. Wir Oberösterreicher wollen unsere Sichtweise natürlich massiv einbringen.

Warum sind Sie Biobauer?
Mir bedeuten die Prinzipien der biologischen Landwirtschaft – wie Kreislaufwirtschaft, Humusaufbau, artgerechte Tierhaltung – sehr viel. Außerdem sind für uns als kleinerer Direktvermarkter die höheren Produktpreise wichtig.

Was gefällt Ihnen am besten an Ihrem Beruf?
Das Arbeiten mit der Natur und mit den Tieren. Zu sehen, wie alles wächst und die Früchte der Arbeit zu ernten, macht mich sehr zufrieden. Ich fühle mich sehr geerdet, weil der Beruf so echt und elementar ist.

Werden Sie jeden Tag in Ihrem Büro in der Landwirtschaftskammer sein?
Es wird eine zeitliche Herausforderung, das gebe ich zu. Ich bin ja seit sechs Jahren Bürgermeister in Pennewang, das möchte ich weiterhin machen. Ich will alles unter einen Hut bringen.

Wenn ein junger Mann oder eine junge Frau zu Ihnen kommt und sagt: Ich möchte Landwirt werden. Würden Sie eher davon abraten?
Nein, ich bin fest davon überzeugt, dass sich jeder ein Standbein in der Landwirtschaft aufbauen kann. Es ist natürlich herausfordernd, aber ich sage: Ja, bitte! Wir brauchen jeden Betrieb, jeden einzelnen Landwirt im Land! Daran arbeiten wir, wir wollen die bäuerliche Landwirtschaft in Oberösterreich erhalten.

Was wird nach fünf Jahren Präsidentschaft auf Ihrer Erfolgsliste ganz oben stehen?
Dass die bäuerlichen Familien am sozialen Aufstieg der Gesamtgesellschaft teilhaben, weil sie für ihre Arbeit einen gerechten Lohn und einen fairen Anteil an der Wertschöpfungskette bekommen.

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