05.10.2021 10:45 |

Wollen Droge verbieten

Taliban-Machtübernahme lässt Opium-Preise steigen

Der militärische Erfolg der Taliban in Afghanistan wäre ohne eine wichtige Einnahmequelle wohl nicht möglich gewesen: den Handel mit Drogen. Der Verkauf von Opium und Heroin spülte Abermillionen Dollar in die Kassen der Islamisten, die nach dem Abzug der westlichen Truppen schnell die Macht im Land am Hindukusch übernommen haben. Doch jetzt haben die Taliban ein Verbot der Droge angekündigt …

Die Vereinten Nationen schätzen, dass die Taliban zwischen 2018 und 2019 mehr als 400 Millionen Dollar (rund 345 Mio. Euro) mit dem Drogenhandel verdient haben. Laut einer Schätzung von US-Experten lukrierten sie in der Vergangenheit bis zu 60 Prozent ihrer Jahreseinnahmen aus dem Anbau und dem Handel mit Rauschgift. Die USA investierten in den vergangenen 20 Jahren umgerechnet mehr als sieben Milliarden Euro in den Kampf gegen das afghanische Opium - bis dato aber vergebens.

Die Machtübernahme der Taliban beeinflusst nicht nur die Politik: Auch der Drogenmarkt reagiert auf die Wiedereinführung der Scharia. Seit August verdreifachten sich die Opium-Preise. Das macht die Suche einheimischer Bauern nach alternativen Einnahmequellen noch schwieriger.

Preis seit August um das Dreifache gestiegen
Opium, das später zu Heroin weiterverarbeitet wird, brachte Afghanistan bislang geschätzt etwa 1,7 Milliarden Euro im Jahr ein. Doch als die radikal-islamistischen Taliban im August wieder an die Macht kamen, verkündeten sie ein Verbot der Droge. Seitdem sind die Opium-Preise in Afghanistan um das Dreifache gestiegen - ein Kilogramm der Droge kostet dort mittlerweile umgerechnet um die hundert Euro.

Auf dem Opium-Markt in Kandahar (Bild oben), der drittgrößten Stadt Afghanistans, weiß man, wie schnell die Politik die Preise beeinflusst. Allerdings: Alle Versuche der einheimischen Bauern, eine alternative Einnahmequelle zu finden, sind bislang gescheitert und ethische Bedenken können sich hier die wenigsten Menschen leisten. Laut Angaben der Vereinten Nationen ist ein Drittel der afghanischen Bevölkerung von Hunger bedroht.

„Das Leben der Bauern ist sehr schwierig geworden. Es gibt zu wenig Wasser und wir haben dieses Jahr mit einer schweren Dürre zu kämpfen. Wir haben kein Saatgut, das wir aussäen und von dem wir profitieren könnten. Es gibt zwar Saatgut, aber es ist schlecht und wird zu einem hohen Preis verkauft. Unser Land hat noch nie Gewinn mit normaler Landwirtschaft gemacht“, schildert Opium-Bauer Mohammad Masoom der Nachrichtenagentur AFP die Situation.

Verbot im Jahr 2000 kostete Taliban viele Sympathien
Schon einmal, im Jahr 2000, als sie ebenfalls an der Macht waren, haben die Taliban - wohl auch um international anerkannt zu werden - den Anbau von Mohn für die Morphin- und Opium-Produktion verboten. Dieses Verbot ging allerdings gründlich nach hinten los, und kostete ihnen viel Sympathien bei den afghanischen Bauern, deren Situation sich seither kaum verbessert hat.

Zitat Icon

Wir hassen Opium und wollen es nicht anbauen, weil wir keine Probleme in der Zukunft haben wollen, aber wir haben keine Wahl.

Opium-Bauer Mohammad Masoom

„Wir haben kein Geld. Wir sind mit einer großen Wasserkrise konfrontiert und hatten in den vergangen 20 Jahren große Probleme in unserem Land. Wir hassen Opium und wollen es nicht anbauen, weil wir keine Probleme in der Zukunft haben wollen, aber wir haben keine Wahl“, bringt es Masoom auf den Punkt. Es ist daher fraglich, ob es sich die Taliban erneut mit den Bauern im Land verscherzen wollen …

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