29.09.2021 06:00 |

„Krone“-Ombudsfrau

Besorgter Enkel erhielt Anzeige wegen Verfolgung

Viele Großeltern würden sich wünschen, dass ihre Enkel wöchentlich zu Besuch kommen. Ein Leser möchte genau das tun - darf aber nicht. Sein Großvater hat eine Erwachsenenvertretung, die dagegen ist. Ob das überhaupt sein darf, ist ein rechtlicher Graubereich. Rechtsmöglichkeiten hat der Enkel jedenfalls nicht.

Sein gutes Verhältnis zu den Großeltern begründet der Betroffene damit, dass er bei ihnen aufgewachsen ist. Auch als Erwachsener pflegte er eine enge Bindung: „Wöchentliche Besuche und mehrmals wöchentliche Telefonate waren bis nach dem Tod meiner Großmutter eine Selbstverständlichkeit.“

Dann habe eine seiner Tanten auf einmal die Erwachsenenvertretung für den Großvater übernommen, und seither sei alles anders. Wöchentliche Besuche wurden plötzlich untersagt. Es werde nun nach Belieben bestimmt, wer wann und wie lange zu Besuch kommen dürfe. Es könne übrigens nicht ums Erbe gehen. Das sei vor vielen Jahren geregelt worden. „Ich war bei allen Stellen, die zuständig sein könnten, angefangen beim Bezirksgericht. Das Ergebnis - es gibt für diesen Fall keine Handhabe“, schildert der Enkelsohn weiter.

Rechtliche Regellücke
Also ein rechtlicher Graubereich, eine Regellücke. Dem Betroffenen wurde geraten, dass Besuchskontakte innerhalb der Familie geregelt werden sollen. Das ist hier offenbar nicht möglich, und der Fall treibt bereits seltsame Blüten. Da der Enkel keine Ruhe gibt, hat ihn die Tante vor Kurzem wegen beharrlicher Verfolgung angezeigt und eine Unterlassungsklage eingebracht. Aufgetaucht ist auch das Gutachten eines Psychiaters, laut dem „häufige Besuche von Verwandten oder Bekannten für den Demenz-Patienten eher nachteilig seien“. Na ja, da dürften viele sicher anderer Meinung sein.

Angeboten hat man dem Enkel einen kurzen monatlichen Besuch, der über den Anwalt der Tante ausgemacht werden könne. Ihre Ombudsfrau will sich kein Urteil anmaßen, warum sich Positionen in einer Familie so verhärten. Fazit ist jedenfalls, dass man in einer solchen Position gegen Windmühlen kämpft und chancenlos ist. Ein Recht auf Kontakt zum Großvater hat man als Erwachsener eben nicht.

 Ombudsfrau
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