02.03.2011 08:40 |

Kurz nach Rücktritt

Politiker fordern Comeback von Guttenberg

Gerade erst ist der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wegen der Plagiatsaffäre zurückgetreten, und schon fordern unzählige Politiker, vor allem aus der CSU, sein Comeback. "Ich hoffe, dass er uns als Politiker erhalten bleibt und die Rückkehr so bald wie möglich stattfinden kann", so der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl, am Mittwoch.

"Es gab Fälle, in denen sehr viel mehr kriminelle Energie bei Politikern vorhanden war, die dann zurückgekehrt sind, als bei Guttenberg", so Uhl gegenüber der "Mitteldeutschen Zeitung".

Auch der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, Peter Altmaier, sieht Guttenberg in absehbarer Zeit wieder in der Politik. "Die Zahl der politischen Ausnahmetalente ist begrenzt", sagte er dem Sender n-tv. "Er wird jetzt selbst eine Phase brauchen, um über sich nachzudenken und zu sich zu finden. Anschließend wird er entscheiden, ob er denn wieder in diesem politischen System eine Rolle spielen möchte oder nicht. Wenn er das möchte, wird es die Gelegenheit geben."

"Er bleibt einer von uns"
Der Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe, Stefan Müller, hält den zurückgetretenen Minister weiter für einen politischen Hoffnungsträger: "Karl-Theodor zu Guttenberg hat Fehler eingestanden und Konsequenzen gezogen. Er hat eine zweite Chance verdient - wir setzen auch in Zukunft auf ihn", erklärte Müller in Berlin. Parteichef Horst Seehofer hatte schon am Dienstag erklärt, er selbst und die CSU-Spitze wollten alles tun, dass Guttenberg der deutschen Politik und der CSU erhalten bleibe. "Er bleibt einer von uns."

Der Bonner Politikwissenschaftler Gerd Langguth geht davon aus, dass Guttenberg nicht lange von der politischen Bühne verschwindet und in etwa drei Jahren zurückkehrt. Er denke, Guttenberg werde Seehofer als bayerischen Ministerpräsidenten oder CSU-Chef beerben wollen, sagte Langguth gegenüber der "Thüringer Allgemeinen“. Seine "honorige Erklärung" werde die Rückkehr ermöglichen. Langguth sieht im Rücktritt Guttenbergs "auch eine schwere Niederlage" für die deutsche Kanzlerin Angela Merkel. Altmaier räumte ein, die Union habe durch die Affäre Schaden genommen. "Das hat uns durchaus ins Mark getroffen", sagte er in n-tv.

Wissenschaft erfreut über Rücktritt
Wissenschaftler reagierten erleichtert über den Rücktritt Guttenbergs."Es wäre schlimm gewesen, wenn sich der Eindruck verfestigt hätte, dass es in der Wissenschaft mit Lug und Trug zugeht und dass dies ohne weitere Konsequenzen für die berufliche Laufbahn bleibt", sagte der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, Bernhard Kempen, der "Rheinischen Post". Die Präsidentin der Bundeswehr-Universität in München, Merith Niehuss, bemerkte, Guttenberg habe mit seinem Schritt der Wissenschaft und den Offizieren gleichermaßen Respekt gezollt.

Guttenberg hatte am Dienstag nach zweiwöchigem Kampf um sein Amt kapituliert. Als Konsequenz aus den Plagiatsvorwürfen im Zusammenhang mit seiner Doktorarbeit erklärte der beliebteste Politiker Deutschlands seinen Rücktritt von allen politischen Ämtern.

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