16.08.2021 19:04 |

Pongau und Pinzgau

Unwetter: Muren schlossen über 80 Personen ein

Eine neuerliche Gewitterfront mit Starkregen hat am Montagabend vor allem im Pinzgau und Pongau erneut für Murenabgänge und Überflutungen gesorgt. Mehr als 100 Personen wurden in Sicherheit gebracht. Am Dienstag wurden die Aufräumungsarbeiten fortgesetzt, einige Straßen waren in der Früh noch gesperrt. Der Zivilschutzalarm für den St. Johanner Ortsteil Reinbachsiedlung wurde um 8.00 Uhr aufgehoben. Das Ausmaß der schweren Schäden wird nun bei Erkundungsflügen begutachtet.

Rund 700 Einsatzkräfte von 40 Feuerwehren waren am Montag um 21.00 Uhr zu rund 300 Einsätzen ausgerückt. Später erhöhte sich die Zahl auf rund 500 Einsätze, 52 Feuerwehren und rund 1.400 Feuerwehrleute. Die Ereignisse überstürzten sich. Ein Murenabgang am Montagabend auf der Dientner Landesstraße hielt die Einsatzkräfte in Atem. 

Ein Kleinbus wurde von der Mure erfasst und in den Dientenbach gerissen. Zwei Insassen waren beim Eintreffen der Einsatzkräfte noch im Fahrzeug eingeschlossen, eine Person wurde beim Unfall schwer verletzt. Den Einsatzkräften gelang es, die Beiden aus dem Bus zu retten. Während der Rettungsaktion stellten die Helfer fest, dass noch ein weiteres Auto von der Mure erfasst wurde und ebenfalls ins Wasser gerissen wurde. Die 21-jährige Lenkerin konnte sich jedoch selbst befreien und ans Ufer retten.

Zwei der insgesamt drei Veretzten wurden mit dem Hubschrauber mittels Tau geborgen und ins Krankenhaus Schwarzach geflogen. Die dritte wurde ambulant in Dienten durch einen Arzt versorgt. Das Auto der 21-Jährigen konnte noch in den Abendstunden aus dem Bach geborgen worden, eine Bergung des Busses im Wasser war jedoch laut der Wasserrettung nicht mehr möglich. 

Daraufhin wurde ein weiteres Auto mit fünf Insassen ebenfalls in Dienten zwischen zwei weiteren Muren eingeschlossen. Auch sie konnten von den Einsatzkräften in Sicherheit gebracht werden. Die Dientner Landesstraße zwischen Lend und Dienten ist bis auf weiteres für den gesamten Verkehr gesperrt - diese Sperre war auch Dienstagfrüh laut der Polizei noch aufrecht. 

Bewohner mussten in den oberen Stockwerken bleiben

Der Katastrophenschutz fordert die Bürgerinnen und Bürger in den Überflutungsgebieten auf, in den oberen Stockwerken zu bleiben, äußerst vorsichtig zu sein und unnötige Fahrten zu vermeiden, wie die Landeskorrespondenz informierte. St. Johanns Bürgermeister Günther Mitterer ersuchte die Bewohner der Reinbachsiedlung, in den oberen Stockwerken zu bleiben, Keller nicht zu betreten und den Hinweisen der Behörden und Einsatzkräfte Folge zu leisten.

Alleine in St. Johann gab es rund 140 Schadensstellen, es wurden außerdem mehrere Autos in Unterführungen vom Wasser eingeschlossen. Ein Großaufgebot an Feuerwehrleuten, Wasserrettern, Helfern des Roten Kreuzes, Bergrettern und Polizisten beteiligte sich an den Personenbergungen.

Einsatzleiter Marcel Pfisterer erklärte gegenüber dem ORF, dass die Einsatzkräfte insgesamt 90 Personen vor den Wassermassen retten konnten. „In unserer Leichenhalle sind bei einer Trauerveranstaltung etwa 30 Personen von den Wassermassen eingeschlossen worden. So ein Einsatz ist niemals ohne - aber das geht nicht ohne Risiko für die Feuerwehr.“

Der Zivilschutzalarm, den die Bezirkshauptmannschaft für die Reinbachsiedliung ausgelöst hatte, konnte am Dienstag ab 8 Uhr früh wieder aufgehoben werden. 

Auf der Straße zwischen St. Johann und Wagrain saßen rund 70 Personen zwischen zwei abgegangenen Muren in ihren Autos fest. Hier wurde unter anderem ein Auto durch eine Mure in die hochwasserführende Wagrainerache gespült. Alle 71 eingeschlossenen Personen konnten in Sicherheit gebracht werden. Zwei von ihnen wurden vom Roten Kreuz ins Krankenhaus eingeliefert. 

Die weiteren Betroffenen, darunter zahlreiche Urlauber und an die 20 Kinder, wurden im Kongresszentrum St. Johann versorgt. Die B 163 blieb zwischen St. Johann im Pongau und Wagrain bis auf weiteres gesperrt. 

Die Feuerwehren hatten auch in anderen Salzburger Gemeinden wegen der Schäden nach dem Unwetter alle Hände voll zu tun. Durch den Sturm abgedeckte Dächer mussten befestigt und Keller ausgepumpt werden. Straßen waren überflutet oder waren wegen umgestürzten Bäumen vorübergehend nicht mehr passierbar. 



Hoher Pegelstand in Mittersill

Der Bahnhof Krimml, der sich auf dem Gemeindegebiet von Wald im Pinzgau befindet, wurde vorsorglich evakuiert. In Mittersill musste die Hubbrücke an der Salzach angehoben werden, um Verklausungen zu verhindern. Der Pegelstand lag um 22.00 Uhr bei 5,19 Meter, das bedeutete Alarmstufe zwei laut dem Hydrographischen Dienst des Landes Salzburg.  Im Laufe der Nacht wurde mit einem Pegelstand von rund 5,50 gerechnet. Die Lage werde sich am Dienstag mit Abklingen der Regenfälle vermutlich entspannen, hieß es. Das Obersulzbachtal in Neukirchen am Großvenediger wurde für den gesamten Fahrzeugverkehr und auch für Fußgänger gesperrt. 

„Wir werden am Dienstagmorgen sofort, wenn das Wetter es zulässt, Erkundungsflüge machen, um uns einen Überblick über die Lage in den Tälern zu machen“, erklärte der Pongauer Bezirkshauptmann Harald Wimmer. Dabei werden die Sperren von Wildbachverbauungen begutachtet, wie sehr sie angefüllt wurden. „Und dann werden wir viele Sofortmaßnahmen brauchen, um für eventuelle weitere Regenfälle wieder bestmöglich gerüstet zu sein.“

Am Montagabend war im Pinzgau die Gemeinde Krimml von der Außenwelt abgeschnitten, nachdem eine Mure auf die Landesstraße (L113) abgegangen war. Im Pongau ging in St. Johann-Alpendorf eine Mure auf die Großarler Landesstraße (L109) ab, und zwischen Schwarzach und Lend verlegte eine Mure die Pinzgauer Straße (B311). In Wagrain und Altenmarkt kam es zu Überflutungen. In Flachau wurde die Abfahrt von der Tauernautobahn (A10) wegen einer Mure gesperrt.

Überflutete Keller, umgestürzte Bäume

Die Feuerwehren hatten auch in anderen Salzburger Gemeinden wegen der Schäden nach dem Unwetter alle Hände voll zu tun. Straßen wurden überflutet oder waren wegen umgestürzten Bäumen vorübergehend nicht mehr passierbar wie in Mittersill im Pinzgau. Der Bezirkshauptmann des Pinzgaus, Bernhard Gratz, bedankte sich wie sein Kollege aus dem Pongau bei den Einsatzkräften für ihre Hilfe.

600 Haushalte ohne Strom

Wie der heimische Energieversorger Salzburg AG informierte, kam es wegen des heftigen Gewitters gegen 18.00 Uhr zu Stromausfällen im Pongau und im Flachgau. Betroffen davon waren rund 600 Haushalte in Teilen von Mühlbach, St. Johann und Wagrain im Pongau sowie von Strobl im Flachgau.

Heftiges Hagelgewitter auf der Tauernautobahn (A10) bei Flachau

Das Unwetter sorgte in der Stadt Salzburg für Staus und Verzögerungen im Berufsverkehr. Auf den Stadtausfahrten ging es nur im Schritttempo voran. 

 Salzburg-Krone
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