21.07.2021 16:00 |

Experten analysieren

Flut und Schäden: Was können wir daraus lernen?

Keine Toten und Verletzten, doch die gewaltigen Wassermassen richteten am Wochenende im Unterland einen Millionenschaden an. Markus Federspiel (Vorstand Abteilung Wasserwirtschaft) und der Hydrologe Georg Raffeiner analysierten die Daten und beantworteten Fragen zu den Lehren für die Zukunft.

„Krone“: Welche Niederschlagswerte bzw. Durchflussmengen sind schon jetzt bekannt?
Federspiel, Raffeiner:
An den besonders betroffenen Talflüssen Brixentaler Ache samt Kelchsauer Ache, Kitzbüheler Ache und am Tauernbach in Osttirol gehen wir laut Ersteinschätzung von einem 30-jährlichen Hochwasser aus. Ähnlich am Ziller im Bereich der Mündung in den Inn. In Kufstein lassen die Daten der nahen Station Brentenjoch (gesamt 215 Liter) sowie Kufstein (165 Liter) auf ein Extremereignis schließen. Vergleichbar mit den Jahren 1981 und 1954, ganz unbekannt ist so etwas also nicht.

Waren die Bäche in Kufstein bisher als potenzielle Gefahrenquellen überhaupt bekannt?
Für die drei Stadtbäche in Kufstein wurde 2018 ein Gefahrenzonenplan erstellt, in dem die Schwachpunkte dieser Bäche aufgezeigt wurden. Aufgrund der zu geringen Abflusskapazität der Bäche, möglicher Verklausungen und Anlandungen ergeben sich Ausuferungen und Überflutungen, die mit dem letzten Ereignis gut übereinstimmen. Auf dieser Basis liegt ein Hochwasserschutzprojekt mit mehreren Varianten vor. Die Stadt hat sich für die Variante mit einem Rückhaltebecken entschieden.

Der Klimawandel ist das große Stichwort, wenn solche Ereignisse passieren. Inwiefern fließen künftige Szenarien in die Planungen ein?
Die Anzahl der beobachteten Extremereignisse ist begrenzt, weshalb eine Einschätzung der Auswirkungen des Klimawandels schwierig ist. Natürliche Schwankungen der Hochwässer sind bisher wesentlich größer als Änderungen aufgrund des Klimawandels. Zudem sind auch aus der Vergangenheit Perioden mit erhöhter und weniger Hochwasseraktivität bekannt. Eine genauere Einschätzung für großräumige Niederschläge ist schwierig. Das alles wird die Wissenschaft noch länger beschäftigen.

Ist die Tiroler Infrastruktur generell für die nächsten Jahrzehnte gerüstet?
Die Erkenntnisse derartiger Ereignissen sind selbstverständlich in den Planungen zu berücksichtigen. Derzeit befinden sich in Tirol viele Hochwasserschutzprojekte in Umsetzung und in Planung. 2021 werden rund 23 Millionen Euro an Talgewässern investiert.

Was hat Sie als Experten am meisten überrascht?
Ein Ereignis dieser Größenordnung überrascht in seiner Intensität trotz entsprechender Vorbereitung. Aber das Land ist generell sehr gut vorbereitet. Die einzelnen Hotspots können leider nicht präzise vorhergesehen werden. Daher ist auch keine exakte Warnung möglich. Das ist die Macht der Natur, das wird weiter so bleiben.

Andreas Moser
Andreas Moser
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