„Wenn ich könnte, würde ich Selina sofort zu mir nehmen. Aber ich bin zu alt und ihre Großmutter ist schwer krank“, versucht die 74-jährige Uroma zu erklären, warum die sechsjährige Selina in einer therapeutischen Einrichtung gelandet ist. „Die ganze Geschichte ist schrecklich genug für uns, weil wir nicht wissen, warum ihre Mutter verschwunden ist.“ Zwar meldet sich die 24-Jährige manchmal telefonisch – aber ihr Töchterchen hat sie dennoch einfach zurückgelassen.
70 Sozialarbeiter für betroffene Kinder
„Solche Fälle passieren leider“, weiß Dr. Barbara Berger-Malle von der Sozialabteilung des Landes. „Einmal hat eine Mutter ihren zweijährigen Buben einfach nicht mehr aus dem Krankenhaus geholt und gemeint, man solle ihn behalten.“ Kärntenweit kümmern sich 70 Sozialarbeiter um das Schicksal betroffener Kinder. „Der Bedarf im sozialen Bereich ist immer groß, wir bekommen immer mehr zu tun“, so Berger-Malle. Das sei auch eine „gesellschaftliche Entwicklung, nicht nur in Kärnten“.
Oft sind es Geldsorgen, die Familien zerbrechen lassen; auch psychische Probleme mehren sich – in Klagenfurt etwa muss zumindest vorübergehend ein Platz für ein siebenjähriges Mädchen gefunden werden, weil die Mutter an Hexen glaubt und Stimmen hört, die sie nachts samt der Tochter auf die Straße treiben.
Omas besuchen Selina im Kinderdorf
Solche Betreuungen sind kostenintensiv, reichen von täglich 60,83 Euro für betreutes Wohnen bis zu rund 300 Euro für Auslandsaufenthalte. Die kleine Selina hat vorerst im Bereich des SOS Kinderdorfs Moosburg liebevoll Aufnahme gefunden, es gehe ihr gut, heißt es, der Verlust der Mutter wird, so gut wie eben möglich, zu kompensieren versucht; die Omas kommen zu Besuch.
von Kerstin Wassermann, Kärntner Krone









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