16.02.2011 15:11 |

Schmied-Vorstöße

Hauptschul-Aus bis 2016, Kurssysteme für Oberstufen

Unterrichtsministerin Claudia Schmied hat am Mittwoch das durch Wehrpflicht-Streit und Co. entstandene Themenvakuum in der Koalition für einen Vorstoß in Sachen Schulreform genützt. Schmied postuliert zwei Ziele: erstens die Umstellung aller Hauptschulen auf die Neue Mittelschule bis 2016, zweitens eine 2012 beginnende Umstellung auf Kurssysteme in AHS-Oberstufe, BMS und BHS, die auch das Thema Sitzenbleiben betrifft.

Eigentlich war geplant, nur jene Hauptschulen zu NMS zu machen, die einen entsprechenden Antrag stellen. Schmied rechnet jetzt allerdings mit praktisch flächendeckenden Anträgen. "Wir brauchen auch da einen Zielpunkt", sagte Schmied am Mittwoch. Ein dreigliedriges System wie in Deutschland mit einem Nebeneinander von AHS-Unterstufe, Hauptschule und NMS könne nicht das Ziel sein. Daher fordert sie jetzt, alle Hauptschulen umzustellen.

Die Umstellung auf NMS ist für die Schulen unter anderem mit der Finanzierung von zusätzlichen sechs Wochenstunden pro Klasse verbunden, in denen in den Hauptfächern zwei Lehrer gemeinsam unterrichten. "Da mache ich mir keine Sorgen, der Andrang ist groß."

In einem ersten Schritt würden im kommenden Schuljahr jedenfalls 117 Standorte umgestellt, darunter jene, deren Anträge zuletzt wegen der Zehn-Prozent-Obergrenze pro Bundesland abgelehnt wurden. Diese soll demnächst aufgehoben werden, wozu auch die Volkspartei bereits Zustimmung signalisiert hat. Wie die Umwandlung jener Standorte erfolgt, die keinen Antrag stellen, wolle man sich noch genauer ansehen, so Schmied.

An Oberstufen-Kurssystem führt jetzt "kein Weg vorbei"
Die Einführung eines Kurssystems vor allem in Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen an der AHS-Oberstufe bzw. an den berufsbildenden mittleren und höheren Schulen erwähnte Schmied bisher immer mit den Zusätzen "könnte" und "sollte". Jetzt führt für die Unterrichtsministerin daran "kein Weg vorbei". Als realistischen Zeitpunkt für den Beginn einer Umstellung nannte sie 2012, für alle 800 Standorte benötige es aber einen Stufenplan.

In einem Kurssystem wird der traditionelle Klassenverband weitestgehend aufgelöst und die Schüler absolvieren einzelne Module. Damit gibt es in diesen Fächern keine Klassenwiederholungen mehr. Denn wer z.B. in Deutsch durchfällt, wiederholt das entsprechende Modul, bleibt ansonsten aber in den anderen Fächern auf Kurs. Mit dem Schuljahr 2010/2011 wurden die Abendschulen auf ein Kurssystem umgestellt.

Das Sitzenbleiben hat für Schmied, wie in der aktuellen EU-Studie zum Thema angesprochen (Bericht in der Infobox), "sehr viel mit Schulkultur zu tun und ist nicht unbedingt mit Leistung in Verbindung zu bringen. Die These, dass Sitzenbleiben ein Instrument zur Leistungssteigerung ist, ist nicht haltbar". Da Klassenwiederholungen in Österreich vor allem an den Oberstufenschulen verbreitet sind, gelte es vor allem hier anzusetzen, so Schmied. Daher liefen im Ministerium intensive Arbeiten dazu. Mit VP-Bildungssprecher Werner Amon sowie Wissenschaftsministerin Beatrix Karl müsse sie aber noch sprechen, betonte Schmied. Die Umwandlung auf ein Kurssystem sei aber eine Forderung im ÖVP-Bildungskonzept.

Lehrerausbildung und Dienstrecht
Auch auf der Lehrerseite geht es hingegen etwas langsamer voran. Im März bekommen Schmied und Wissenschaftsministerin Karl einen Zwischenbericht der Vorbereitungsgruppe zur neuen Lehrerausbildung. Diese hatte zuletzt ein vierjähriges Bachelorstudium vorgeschlagen, in das Teile der geplanten "Induktionsphase" - einer Art Turnus zum Berufseinstieg - vorgezogen werden könnten.

Klar ist für Schmied, dass Lehrerausbildung und neues Dienstrecht "im Paarlauf auf die Welt kommen müssen". Einen ersten Verhandlungstermin mit der Gewerkschaft zum Dienstrecht gibt es noch nicht - derzeit laufe noch der "regierungsinterne Abstimmungsprozess".

Grüne skeptisch
Die Grünen, entschlossene Anhänger eines Kurssystems, reagierten am Mittwoch auf die Ankündigung Schmieds mit Skepis. Noch im Budgetausschuss am 16. Dezember 2010 habe Schmied behauptet, es gebe keinen Zusammenhang zwischen der modularen Oberstufe - also Kurssystem statt Klassen - und dem Sitzenbleiben. "Jetzt kündigt sie an, die modulare Oberstufe ab 2012 flächendeckend einführen zu wollen. Leider klingt das wieder nach einer Schmiedschen Ankündigung ohne Substanz", fürchtet der Bildungssprecher der Grünen, Harald Walser.

"Wenn sie aber rasch konkrete Maßnahmen oder einen Aktionsplan vorlegt, dann soll es mir recht sein. Denn zum Wohl unserer Jugendlichen ist diese Maßnahme nämlich längst überfällig."

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