CBS-Star im Spital
Als Kairo jubelte, verging sich Prügel-Mob an Reporterin
Die gebürtige Südafrikanerin Lara Logan hat sich nach den Anschlägen vom 11. September 2001 als Kriegsreporterin für einen britischen Sender binnen kürzester Zeit einen Namen gemacht. Für die bekannte und renommierte CBS-Nachrichtensendung "60 Minutes" berichtete sie ab 2002 aus Afghanistan, dem Irak und seit Beginn der Demokratie-Proteste auch aus Ägypten.
Nach wenigen Tagen in Ägypten verhaftet
Bereits nach wenigen Tagen hatte Logan in Ägypten Bekanntschaft mit dem Regime gemacht. Die 39-jährige Reporterin und ihr Team wurden von Sicherheitskräften als investigative Reporter "enttarnt" und verhaftet. "Sie hielten uns mit vorgehaltener Waffe an, legten uns Handschellen an, verbanden uns die Augen und verprügelten unseren Fahrer", schilderte Logan den Vorfall.
Zu Beginn der Proteste, als das Regime noch die Oberhand hatte, wurden laut der Watchdog-Organisation "Committee to Protect Journalists" insgesamt 76 Reporter aus aller Welt verhaftet und teils mehrere Tage eingesperrt und verhört. 52 Journalisten wurden von Schlägertrupps attackiert und ernsthaft verletzt.
Brutale Attacke inmitten eines Freudenfests
Logan, die wenige Stunden nach der Festnahme wieder freigelassen wurde, kam mit den Schlägertrupps erst in Berührung, als alle Welt annahm, dass die Gewalt jetzt vorbei sei: am Tag von Mubaraks Rücktritt und der Freudenparty auf dem "Platz der Befreiung".
"Lara Logan und ihr Team wurden von ungefähr 200 Menschen eingekreist. Im Gedränge wurde sie von ihren Leuten getrennt und umstellt. Sie wurde brutal verprügelt und fortwährend sexuell attackiert, ehe ihr eine Gruppe mutiger Frauen und rund 20 ägyptische Soldaten zu Hilfe eilten", teilte CBS am Mittwoch mit. Weitere Details gab der Fernsehsender aus Rücksicht auf die Privatsphäre seiner Mitarbeiterin nicht bekannt.
Am nächsten Tag sei die verheiratete Reporterin und Mutter eines zweijährigen Sohnes in die USA zurückgeflogen worden. Sie befinde sich nach wie vor im Krankenhaus, hieß es von CBS. Über ihren Gesundheitszustand wurden keine Angaben gemacht.
Journalisten einer Staatszeitung entschuldigen sich
Die Jahre der ungewährten Pressefreiheit in Ägypten haben indes am Mittwoch Reporter der ägyptischen Tageszeitung "Al-Ahram" zu einem Entschuldigungsschreiben bewogen. In einer Erklärung, die am Mittwoch an die Redaktionen anderer Medien in Kairo verschickt wurde, hieß es, in dem staatlichen Verlagshaus von "Al-Ahram" habe es in den vergangenen Jahrzehnten Korruption und Zensur gegeben. Leitungsfunktionen seien an Günstlinge der Familie Mubarak oder an Mitglieder seiner Nationaldemokratischen Partei vergeben worden. Die Professionalität der Journalisten haben bei der Personalpolitik in den Führungsetagen eine untergeordnete Rolle gespielt.
Diese Führung habe während des Aufstandes auch verhindert, dass die Lage im Land von den Reportern und Redakteuren des Blattes realistisch dargestellt wurde. "Wir, 300 Journalisten von 'Al-Ahram', wollen uns für dieses unprofessionelle Verhalten während der Revolution vom 25. Jänner entschuldigen", hieß es.
Menschenrechtler: Hunderte Ägypter vermisst
Auch nach dem Rücktritt Mubaraks werden nach Angaben von Menschenrechtlern noch Hunderte Menschen vermisst. Teilweise würden die Vermissten nach wie vor von der Armee festgehalten, sagte am Dienstag der Direktor des Arabischen Netzwerks zur Information über die Menschenrechte, Gamal Eid. Er forderte die Armee auf, umgehend eine Liste mit den Namen der Gefangenen und dem Ort ihrer Inhaftierung zu veröffentlichen.
Nach Angaben von Eid bereitet die Armee derzeit eine Liste mit den Festnahmgründen vor. Dies könne jedoch noch einige Zeit dauern, warnte er. Nach Angaben des Anwalts Nassir Amin vom Arabischen Zentrum für die Unabhängigkeit der Justiz wurden viele Demonstranten beim Verlassen des Kairoer Tahrir-Platzes von Polizisten in Zivil festgenommen. Eine Gruppe von Internetaktivisten hatte am Montag erklärt, die Armee habe ihr versichert, alle vermissten Demonstranten aufzuspüren.












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