Der große Zeh trägt beim Laufen fast 40 Prozent des Körpergewichtes. Menschen ohne großen Zeh hinken daher stark. Die beiden ägyptischen Prothesen aus Holz sowie aus Pappmache und Gips hätten den Versuchspersonen das Laufen deutlich erleichtert, berichten die Forscher um Jaqueline Finch im britischen Medizin-Journal "The Lancet". Die Ägypter hätten offenbar genaue Kenntnisse der Anatomie und Funktion des Fußes gehabt.
Damit sei klar, dass die Ägypter schon mehrere Hundert Jahre vor den Römern amputierte Gliedmaßen durch Prothesen ersetzt haben, schließen die Wissenschaftler. Bisher waren Skeptiker davon ausgegangen, dass die ägyptischen Prothesen trotz Gebrauchsspuren nur Grabbeilagen waren. Ein römisches Bronze-Bein aus einem Grab in der Nähe des italienischen Capua galt als älteste Prothese.
Prothese des rechten Zehs
Die in der University of Manchester verwendeten Prothesen sind Nachbauten von Museumsstücken. Beide ersetzen jeweils den rechten Zeh und wurden in der altägyptischen Stadt Theben in der Nähe von Luxor gefunden. Eine Prothese wurde 1881 ausgegraben. Der im British Museum in London ausgestellte Zeh besteht aus einer Art Pappmache aus Leinen und Leim sowie einem Gips-Überzug. Die Prothese wird auf 600 vor Christus datiert.
Die zweite Prothese besteht aus drei beweglichen Teilen aus Holz und Leder (Bild). Sie wurde 2000 von dem deutschen Archäologen Andreas Nerlich im Grab einer Priestertochter gefunden, die irgendwann zwischen 950 und 710 vor Christus lebte. Die Prothese ist im Ägyptischen Museum in Kairo ausgestellt. Beide Zehen haben Löcher, die vermutlich dazu dienten, sie mit einem Band am Fuß oder an den Sandalen zu befestigen.
Foto: J. Finch/University of Manchester











Kommentare
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.