Vergewaltigung?

Prozess gegen Bürgermeister von Feldkirch gestartet

Österreich
10.02.2011 18:36
Der Bürgermeister von Feldkirch in Vorarlberg, Wilfried Berchtold (ÖVP, im Bild rechts), hat sich am Donnerstag wegen Vergewaltigung vor einem Schöffensenat des Landesgerichts Feldkirch verantworten müssen. Berchtold, der Hand in Hand mit seiner Frau im Gerichtssaal erschien, soll sich im Spätherbst 2009 bei einer Budgetklausur im Bregenzerwald an seiner ehemaligen Geliebten und Parteikollegin vergangen haben.

Der Prozess unter Vorsitz von Richterin Claudia Egger rief großes Medieninteresse hervor und war ursprünglich von 10 bis 18 Uhr anberaumt. Nachdem allein die Einvernahme des Angeklagten bis in die Nachmittagsstunden dauerte, wurde der Prozess schließlich vertagt. Das vorgesehene Programm sei nicht durchzubringen, begründete die Richterin die Entscheidung, ein neuer Termin steht laut Egger noch nicht fest.

Öffentlichkeit von Verhandlung ausgeschlossen
Die Öffentlichkeit wurde auf Antrag der Verteidigung noch vor Verlesung der Anklageschrift ausgeschlossen, in der Folge drangen die Informationen zum Verlauf der Verhandlung eher spärlich nach außen zu den wartenden Journalisten. Verteidiger Karl Rümmele (im Bild links) begründete seinen Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit mit der Prominenz des Angeklagten und der Sensibilität des Falles, der den persönlichen Lebensbereich beider Betroffener berühre. Martin Mennel, Anwalt des mutmaßlichen Opfers, schloss sich diesem Antrag nicht an. Nachdem der Angeklagte die Öffentlichkeit von sich aus "einseitig, nicht objektiv und teilweise falsch" informiert habe, habe diese nun das Recht "wirklich informiert" zu werden, erklärte Mennel.

Sechs Zeugen geladen
Zum Verfahren wurden sechs Zeugen geladen, darunter Teilnehmer der Parteiklausur im Spätherbst 2009, bei der sich der Übergriff auf die Frau ereignet haben soll, und Freunde des mutmaßlichen Opfers, denen die Frau von dem Vorfall erzählt haben soll. Die Frau wurde in einer mehrstündigen Befragung kontradiktorisch einvernommen. Erste Zeugen wurden ab etwa 15.30 Uhr in den Saal gerufen, darunter auch Psychiater Albert Lingg, dem sich die Frau anvertraute. Seiner Aussage wird zentrale Bedeutung zukommen. Weiter unklar war, ob und wann das Opfer - persönlich oder in Form der Videoaufzeichnungen der kontradiktorischen Einvernahme - Gehör finden wird.

Angeklagter spricht von "Sex ohne Zwang"
Zu dem angeklagten Übergriff soll es am 7. November 2009 nach 3.00 Uhr früh auf Berchtolds Hotelzimmer gekommen sein, als die Frau ihn nach einem SMS-Austausch dort besuchte. Während die Parteikollegin angab, klar Nein zu den sexuellen Handlungen gesagt und sich gewehrt zu haben, spricht Berchtold laut Medienzitaten aus der Anklageschrift von "leidenschaftlichem Sex ohne Zwang".

Das 56-jährige Stadtoberhaupt, zugleich Präsident des Vorarlberger Gemeindeverbands, weist die Vorwürfe "ganz entschieden" zurück. Die Anzeige der Frau erklärte er mit enttäuschten Erwartungen, weil er ihrem Wunsch nach einem sicheren Listenplatz für die Gemeindevertretungswahlen nicht entsprochen habe. Dem entgegen steht jedoch, dass die Anklägerin noch vor der Listenerstellung im Herbst 2009 mehreren Freunden von dem Vorfall erzählt haben soll.

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