03.07.2021 10:00 |

Kultreporter Benoit

Sein Leben lang die Formel 1 im Blick

Roger Benoit war bei 764 Rennen vor Ort. Der Schweizer über eine Zigarre mit Rindt, die letzte Ölung von Lauda und einen versteckten GP-Sieger.

Mich interessieren die Autos gar nicht“, beginnt Formel-1-Reporter-Legende Roger Benoit vom Schweizer „Blick“ das Interview mit der „Krone“. „Mich haben immer nur die Fahrer interessiert, die Menschen dahinter.“

Seit 1969 zieht der Schweizer mit dem Formel-1-Zirkus mit. Seither hat er von 764 Rennen vor Ort berichtet, über weitere 80 Rennen aus der Redaktion in Zürich geschrieben, nur zwei Rennen ausgelassen. „Ohne den Heinz Prüller, den früheren „Krone“-Journalisten, wäre ich aber nicht hier. Er hat mich den Fahrern wie Rindt, Stewart und Graham Hill vorgestellt.“

„Aber eigentlich weiß ich ja nur, dass das Auto vier Räder hat. Mir war die eigene Meinung immer wichtiger. Das Technische hat mir immer der Niki Lauda gesagt.“ Zu „Niki Nazionale“ hat der Schweizer ohnehin stets ein enges und vertrautes Verhältnis gehabt. „Im Jahr 1976, als Niki seinen Feuerunfall am Nürburgring gehabt hat, war ich als einziger Journalist bei ihm im Krankenhaus, habe neben seiner damaligen Frau Marlene hautnah miterlebt, wie ihm der Pfarrer die letzte Ölung geben wollte. Das war eine Aufregung und damals unsere große Exklusiv-Geschichte im ,Blick‘.“

Den großen Jochen Rindt erlebte Benoit nur kurz. „Drei Stunden vor seinem Tod habe ich aber noch auf der Boxenmauer mit ihm geraucht - er eine Zigarette, ich eine Zigarre. Heutzutage wäre das ja unmöglich. Stellen Sie sich einmal vor, Sie würden vor dem Rennen mit Hamilton eine Zigarette rauchen. Die Bilder wären überall, es wäre eine Riesenaufregung. Damals war das aber normal. Stewart meinte sogar noch zu Rindt, dass er endlich mit dem Rauchen aufhören solle, das würde ihn irgendwann noch umbringen. Diesen Satz vergesse ich nie. Stunden später war der Jochen tot.“

Das Verhältnis zu den Fahrern ist laut Benoit mit heute nicht mehr zu vergleichen. „Wir Journalisten sind in der Früh im Fahrerlager gestanden, und alle haben uns gegrüßt. Man gehörte einfach dazu. Drei Wochen nach meinem ersten Rennen war ich etwa bei Stewart bei ihm zu Hause eingeladen.“ Und doch sagt Benoit: „Ich würde nie sagen, dass die Zeiten früher besser waren. Sie waren anders, vielleicht spannender, sicher menschlicher.“

Auch 1971 war Benoit in Spielberg. Jo Siffert holte den Grand-Prix-Sieg. „Jo war privat mit einem Porsche da, sein Auto wurde von Tausenden belagert. Er hatte keine Chance, ungesehen von der Strecke zu kommen. Also sprang er auf die Rückbank meines VW-Käfers, versteckte sich unter einer Decke, und wir fuhren unentdeckt zum Hotel.“

50 Jahre später ist Benoit freilich wieder in Spielberg. „Dass diese Rennen stattfinden, haben wir alle Didi Mateschitz und Red Bull zu verdanken“, meint die 72-jährige Reporter-Legende, die natürlich vom morgigen Rennen wieder berichten wird. Wieder im „Blick“ und wie 764 Rennen davor live vor Ort.

Christoph Kothgasser
Christoph Kothgasser
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