Neuer Staat entsteht
Sudan akzeptiert Autonomie des Südens
"Das Endergebnis des Referendums ist bekannt und es ist für die Sezession ausgegangen. Wir sind diesem Endergebnis verpflichtet", sagte Bashir. Der Sudan gebe vor der ganzen Welt bekannt, "dass wir die Entscheidung der Bevölkerung des Südens akzeptieren und respektieren".
Den Zahlen zufolge stimmten Mitte Jänner 98,8 Prozent der mehrheitlich nicht-muslimischen Südsudanesen für die Loslösung der ölreichen Region vom arabisch-islamischen Norden. Bashir sagte im staatlichen Fernsehen, die Regierung begrüße das Resultat, weil es dem Willen des Volkes im Süden entspreche. Zugleich betonte er, seine Regierung wolle mit dem Süden weiterhin "gute Beziehungen" unterhalten, "die auf Zusammenarbeit gründen".
"Ich werde ihnen niemals vergeben"
In der südsudanesischen Verwaltungshauptstadt Juba versammelten sich Hunderte Menschen, um das Referendumsergebnis zu feiern. "Unsere Politiker haben Frieden mit dem Norden geschlossen, aber was mich betrifft, kann ich ihnen das, was sie (die Nordsudanesen, Anm.) uns angetan haben, nie vergeben", sagte der 29-jährige Riak Maker. "Ich hasse sie nicht mehr, aber ich möchte sie nie wieder sehen", brachte er die Gefühle vieler seiner Landsleute zum Ausdruck.
Die Teilung des Sudan in zwei souveräne Staaten wird für den 9. Juli erwartet. Damit entsteht der jüngste Staat Afrikas, der als 193. Mitglied in die Vereinten Nationen aufgenommen werden dürfte. Die Volksabstimmung über die Unabhängigkeit war Teil des Friedensabkommens von 2005, das einen mehr als 20 Jahre dauernden Bürgerkrieg beendete, in dem mindestens zwei Millionen Menschen ums Leben kamen.
Eine Reihe von Fragen ist noch ungeklärt
Für eine reibungslose Teilung sind noch eine Reihe praktischer Fragen zu lösen. So muss noch die Aufteilung der Erdöleinkünfte ausverhandelt werden, ebenso wie der genaue Grenzverlauf. Der neue Staat hat noch keinen Namen. Dieser soll am 14. Februar bekanntgegeben werden. Auch die Gründung einer neuen Hauptstadt anstelle von Juba wird erwogen. Einen Vorgeschmack auf mögliche Komplikationen bei der Teilung gab am Wochenende eine Meuterei von Soldaten in der Stadt Malakal. Die Soldaten wehrten sich gegen die Rückgabe von Waffen an die nordsudanesische Armee, mindestens 50 Menschen kamen bei den Auseinandersetzungen ums Leben.
Der sudanesische Präsident hatte vor dem Referendum vor einer Loslösung des Südsudan gewarnt, zugleich aber versöhnliche Töne gegenüber den früheren Bürgerkriegsgegnern ausgesandt. Der Westen lockte Bashir mit Erleichterungen für den Fall einer geordneten und friedlichen Teilung des Landes. So haben die USA angekündigt, den Sudan von der Liste der Terror-Unterstützerstaaten zu streichen, sollte Khartum den Süden ziehen lassen. Bashir ist vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGH/ICC) wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der westsudanesischen Krisenregion Darfur angeklagt.











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