Der Chefinspektor führte Repic als Vertrauensperson. Dieser wurde für seine Informationen angeblich auch von der Republik bezahlt, während zeitlich parallel - so zumindest Staatsanwalt Wolfgang Wohlmuth - gegen Repic wegen Schutzgelderpressung ermittelt wurde. "Er ist später nur deshalb von einem Gericht freigesprochen worden, weil Zeugen nicht mehr zur Aussage bereit waren", so Wohlmuth am elften Verhandlungstag gegen den Chefinspektor. Derzeit sei wieder ein Ermittlungsverfahren gegen Repic anhängig, sagte der Staatsanwalt.
Zeuge hatte sich "sehr bedroht gefühlt"
Ein 42-jähriger Gastronom, der früher ein Lokal übernehmen wollte, auf das Repic ein Auge geworfen hatte, wurde dann recht unangenehm für den angeklagten Polizisten. Der Zeuge behauptete, er sei eines Tages vom Chefinspektor angerufen und auf dessen Dienststelle zitiert worden. Der Beamte habe ihn dort gleich einmal fotografiert und ihm dann beschieden, er möge das umstrittene Lokal Repic überlassen, dann sei "alles bestens".
"Ich hab' mich dadurch sehr bedroht gefühlt", erklärte der Gastronom. Er sei unmittelbar vorher sieben Wochen in U-Haft gesessen und habe befürchtet, der Polizist könnte ihn wieder ins Gefängnis bringen: "Er hat mich nicht direkt bedroht, aber ich hab' mich bedroht gefühlt." Folglich habe er sich damit einverstanden erklärt, als ein Pachtvertrag zugunsten Repics aufgesetzt wurde, den der Polizist bei einem weiteren Treffen "geprüft" habe, und diesen unterschrieben.
Zwei Unterbrechungen wegen emotionaler Belastung
Die Verteidiger zogen die Glaubwürdigkeit dieses Zeugen massiv in Zweifel und verwiesen auf andere Versionen, die jener im Vorverfahren bzw. in anderen Strafverfahren bisher über die Rolle des Chefinspektors zu Protokoll gegeben hatte. Daraufhin wurde der 42-Jährige äußerst emotional, wobei seine Einvernahme ab diesem Zeitpunkt zweimal unterbrochen worden musste, da der Mann, der im Vorjahr einen Schlaganfall sowie einen Herzinfarkt erlitten hatte, über gesundheitliche Beschwerden klagte.
Unterwelt-Boss unter "Schutzmantel des Herrn Angeklagten"
"Der Repic hat mich ruiniert", erregte sich der Zeuge. Er sei dazu gebracht worden, 35.000 Euro an Polizeistrafen für diesen bezahlen zu müssen: "Ich habe schon so genug von dem System! Der Repic hat sich in der Stadt aufgeführt wie der ärgste Cowboy. Und er ist immer beschützt worden. Diesen Repic hat man nicht wegtun können, weil er immer unter diesem Schutzmantel des Herrn Angeklagten gestanden ist." Das gehöre endlich einmal gesagt, betonte der 42-Jährige: "Alles, was der Repic gemacht hat, wurde vom Chefinspektor erledigt. Ich hab' genug. Ich mag nicht mehr. Sollen die doch jetzt in mein Lokal kommen und mich niederschießen! Ich bin ein kranker Mann."
Urteil für Freitag erwartet
Zuvor hatte sich der Angeklagte über einen Kollegen aus dem Bundeskriminalamt (BK) beschwert, der ihm in der vorigen Woche vorgeworfen hatte, im Mordfall Cappuccino unzureichend ermittelt zu haben: "Das trifft mich persönlich sehr hart und ist für mich sehr, sehr deprimierend." Die wider ihn erhobenen Anschuldigungen wären vollkommen haltlos.
Die Verhandlung wird am Dienstag mit Verlesungen aus dem umfangreichen Akt fortgesetzt. Sollten Staatsanwaltschaft und Verteidigung von weiteren Beweisanträgen absehen, könnte am kommenden Freitag das Urteil gefällt werden.










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