23.06.2021 15:02 |

Italienische Wurzeln

Foda, der Stratege: Alte Verwandte warten auf ihn

Vor der EURO war Österreichs Teamchef Franco Foda teilweise schon ins Kreuzfeuer der Kritiker geraten, aber bei ihr machte er fast alles richtig - und erreichte so mit EURO-Qualifikation, Sieg in der Nations League und dem Achtelfinal-Aufstieg alle seiner ersten drei großen Ziele! Und der Mann, der, wie die „Gazzetta dello Sport“ rausfand, aus Venetien stammt, aber kein Wort Italienisch spricht, erweist sich als der Stratege, mit dem man auch den haushohen Favoriten Italien schlagen könnte.

Franco Foda scherzte, die Genugtuung war ihm anzumerken. Jetzt herrscht auch bei ihm große Vorfreude auf den Achtelfinal-Hit: „Ich habe schon einen Plan!“

Ein paar Foda-Sager lassen etwas über die Stimmung bei der österreichischen Mannschaft erahnen: „Anstoßen dürfen Sie diesmal im Hotel schon, das haben sie sich verdient, es ist der Tag des Feierns - mit Wasser.“ (über Aufstiegsfeierlichkeiten nach der Ankunft).

„Hätte ich das gewusst, dann hätte er nicht gespielt. Zu seinem Glück lese ich seit 14 Tagen keine Zeitungen (über den Stammplatz-Anspruch von Florian Grillitsch).

„Freuen Sie sich doch mit uns und fragen Sie jetzt nicht nach der Leistung von Marko Arnautovic, so Fragen will ich jetzt nicht beantworten - das ist ja unfassbar“ (auf der Pressekonferenz zu einem österreichischen Journalisten).

Historischer Sieg
Die Erleichterung und auch die Genugtuung über das Erreichte war Franco Foda nach dem Aufstieg anzumerken. Er hat es allen gezeigt, das Ziel erreicht, schon das dritte in seiner Teamchef-Ära nach EURO-Qualifikation und Nations-League-Aufstieg: „Die Emotionen nach dem Schlusspfiff waren großartig“, so der 55-Jährige, „wir hatten uns seit dem ersten Tag unserer Zusammenkunft das Ziel gesetzt, Geschichte schreiben zu wollen, das haben wir erreicht. Ein historischer Sieg, der Sieg gehört uns allen und auch allen österreichischen Fans!“

Vom besten Spiel in seiner Ära wollte er nicht sprechen: „Wir haben schon viele gute Spiele gemacht, natürlich war es gegen die Ukraine eine Top-Leistung. Ich habe immer gesagt, dass wir bereit sein werden, wir waren bereit, die Mannschaft hat alles perfekt umgesetzt, mich sehr beeindruckt.“

Jetzt Italien - das Land, aus dem sein Vater stammt. „Die Vorfreude ist riesengroß. Die Aufgabe wirkt auf den ersten Moment unlösbar, aber wenn wir mit derselben Entschlossenheit wie gegen die Ukraine auftreten, noch eine kleine Schippe drauflegen, können wir auch gegen Italien bestehen. Wir haben sie schon beobachtet, werden uns auch für dieses Spiel etwas einfallen lassen, ich habe schon einen Plan. Und wenn du im Achtelfinale bist, willst du auch ins Viertelfinale, das wäre dann der absolute Hammer.“

Im Geburtsort des Vaters, in Vittorio Veneto, ist man sehr stolz auf Foda. „Wir haben alle seine drei Matches gesehen bisher, wir sind stolz auf ihn, werden trotzdem zu Italien halten“, sagten die dortigen Einwohner der lokalen Zeitung gegenüber. Die Schwester von seinem 1998 verstorbenen Vater Enrico, Loredana, meinte, sie werde am Samstag zu Österreich halten. Neben ihr wohnen noch zwei Geschwister des Vaters in Vittorio Veneto.

Peter Klöbl/ Kronen Zeitung, krone.at 

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