"Krone" in Kairo

Hoffnungskandidat ElBaradei hält sich in Villa verschanzt

Ausland
05.02.2011 18:45
Meterhohe Mauern, schwer bewaffnete Sicherheitsleute und überall Videokameras: Seit Tagen hält sich Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei in seiner Villa in einem Vorort von Kairo, direkt bei den Gizeh-Pyramiden, verschanzt. Seine Landsleute verlieren aber langsam die Geduld mit dem (möglichen) Oppositionsführer und Ex-Chef der Internationalen Atombehörde aus Wien: "Er soll sich endlich festlegen..."

Indes glich der Tahrir-Platz im Herzen der Nil-Metropole Samstagnachmittag einem Schlachtfeld. Die selbstgebastelten Holzkatapulte für die Wurfgeschoße aus Stein erinnern an die Kämpfe der vergangenen Tage. Noch immer harren Demonstranten in den notdürftig zusammengebauten Zelten aus, Kinder schwingen Fahnen und schreien lauthals Parolen.

Doch die Rufe werden allmählich leiser, immer mehr Ägypter ziehen vom heiß umkämpften Zentrum ab. "Das kann sich aber natürlich schnell wieder ändern", meint Medizin-Student Marwan, "niemand wird die brutalen Mubarak-Krieger auf ihren Kamelen und Pferden je vergessen!"

ElBaradei müde von Verhandlungen mit Amerikanern
Auch am 12. Tag der Revolution gegen den noch immer im Sattel sitzenden Machthaber Hosni Mubarak bleibt die Rolle der Opposition aber völlig unklar. Auch weil sich mögliche Anführer wie der frühere IAEO-Chef Mohammed ElBaradei nicht genau festlegen. Noch immer ist nicht klar, ob der Friedensnobelpreisträger für das Amt des Staatschefs kandidieren möchte. Viele Ägypter nehmen ihm weiters übel, dass er erst so spät in die alte Heimat zurückgekehrt ist.

Seit Tagen hält sich der 67-Jährige in seiner Villa in einer abgeschotteten Millionärs-Enklave direkt hinter den weltberühmten Pyramiden versteckt. Beim "Krone"-Lokalaugenschein sind Sicherheitskräfte vor der Eingangstüre auf Streife. Hausangestellte kommen mit den frisch gebügelten Tischdecken vorbei. Sein Bruder Ali kümmert sich um den Fuhrpark.

Lediglich über die Gegensprechanlage meldet sich ElBaradei kurz zu Wort und lässt ausrichten: "Ich bin sehr müde, habe den ganzen Tag mit den Amerikanern verhandelt…" Niemand wüsste genau, wie die Situation in den nächsten Tagen weitergehen werde. Dann empfängt der Nobelpreisträger ein Reporter-Team der "New York Times" und wimmelt alle weiteren Fragen höflich, aber bestimmt ab.

Schutzbrief für Reporter, Kinderdörfer fordern Militär an
Wegen der noch immer äußerst aufgeheizten Stimmung in Kairo und der immer noch stattfindenden Übergriffe auf Journalisten sind indes auch die Sicherheitsvorkehrungen unseres Außenministeriums hoch. Am Flughafen sind nach wie vor die rotweißroten Unterstützungsteams im Einsatz. Alle heimischen Journalisten vor Ort wurden mit einem speziellen Schutzbrief der Botschaft in arabischer Sprache ausgestattet.

In den SOS-Kinderdörfern in Kairo und Alexandria, die inmitten der Unruhen von Plünderern heimgesucht wurden, sind indes die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden. "Es waren einige Burschen, die über die Zäune der SOS-Dörfer geklettert waren. Da wir aber wegen der Proteste bereits damit gerechnet hatten, konnten wir die Eindringlinge rasch wieder vertreiben", so Amr Aboelazayem, Direktor der ägyptischen Kinderdörfer. Als Vorsichtsmaßnahme wurde der Einsatz von Sicherheitsleuten in Kairo verstärkt. Und auch das Militär wurde angefordert.

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