Die Debatte um ein Plastiksackerlverbot ist Anfang des Jahres von Italien nach Österreich übergeschwappt. Im Nachbarland sind seit heuer nur noch Tragtaschen aus biologisch abbaubarem Material erlaubt, Supermärkte und Co. dürfen ihre Restbestände der 400 Jahre haltbaren Plastik-Einkaufstaschen nur verschenken.
Der Vorschlag eines bundesweiten Verbots in Österreich brachte Mitte Jänner Wirtschaftskammer und Co. auf die Barrikaden. Österreichs Umweltminister Niki Berlakovich, einem derartigen Vorhaben offenbar nicht grundsätzlich abgeneigt, kündigte daraufhin als Kompromiss ein Fünf-Punkte-Programm an, mit dem gemeinsam mit dem Handel Sackerl-Alternativen gefunden werden sollen.
Aktivisten fordern Berlakovich und Wiener Grüne
Den Umweltschützern ist das zu wenig. "In Österreich werden von den Geschäften jährlich bis zu 350 Millionen Plastiksackerln an die Kunden abgegeben. Die meisten davon werden im Schnitt weniger als eine halbe Stunde lang benutzt, um dann im besten Fall auf Deponien zu enden, wo sie 100 bis 400 Jahre liegen bleiben. Minister Berlakovich muss dieser Ressourcenverschwendung und Umweltgefährdung ein Ende setzen", forderte am Freitag Jens Karg, Sprecher der Umweltschutzorganisation Global 2000, und nahm sogleich seine politischen Verbündeten, die Grünen, in die Pflicht: "In Wien erwarten wir uns von einer rot-grünen Stadt-Regierung ein klares Bekenntnis zu einem Plastiksackerl-Verbot", so Karg.
Um ihre Forderung nach dem Aus für die Plastiksackerl im Handel zu unterstreichen, fegten Aktivisten ein "Sackerlmonster" aus rund 400 Plastiktaschen (Bild) von der Wiener Mariahilfer Straße herunter.
6.000 Tonnen Plastiksackerl im Jahr
Laut Umweltministerium fallen in Österreich jährlich zwischen 5.000 bis 6.000 Tonnen an Plastiksackerln an. Zum Vergleich: In Italien sind es rund 200.000 Tonnen im Jahr, statistisch 300 Sackerl pro Bürger, für deren Herstellung 430 Tonnen Öl verheizt wurden. In Österreich machen die Sackerl laut Ministerium "nur" ca. 0,01 Prozent des gesamten Abfalls aus, dazu kommen aber eine erhebliche Umweltbelastung und die Rohstoff-intensive Erzeugung. "Jedes Plastiksackerl weniger ist ein weiterer wichtiger Schritt zu noch mehr Umweltschutz", sagte Berlakovich Mitte Jänner.
Abgesehen von Selbstregulierungsprojekten - der Handel soll freiwillig auf Papiersackerl bzw. andere umweltschonende Materialien umsteigen - versprach Berlakovich aber nur eine "Evaluierung bestehender Regelungen in anderen EU-Ländern bezüglich Kunststofftragetaschen". Der oberösterreichische Umweltlandesrat Rudolf Anschober hatte zuvor eine Kampagne für ein bundesweites Verbot bis 2012 gestartet. Bis Juni will er seine Kollegen in den anderen Bundesländern sowie den Umweltminister überzeugen.
Aktionen mit Tausenden Online-Unterstützern
Auf Internet-Plattformen wird jedenfalls bereits fleißig kampagnisiert: Eine am 10. Jänner gestartete Online-Petition "Plastiksackerlverbot in Österreich!" verzeichnete am Freitag knapp 9.400 Unterstützer, eine entsprechende Gruppe auf Facebook hat rund 8.000 Mitglieder, für den "plastiksackerlfreien Tag" konnten sich bis Freitagmittag hingegen nur knapp über 1.600 begeistern.









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