11.06.2021 09:35 |

„Krone“-Interview

Gerald Tatzgern: Lage an Grenze „sehr angespannt“

Mit Schallkanonen will Griechenland - wie berichtet - die EU-Außengrenze vor einem Flüchtlings-Ansturm aus der Türkei schützen. Österreichs Anti-Schlepper-Boss Gerald Tatzgern weiß, dass die Situation vor Ort jederzeit eskalieren kann - rund eine Million Migranten stünden in den Startlöchern

„Krone“: Herr Tatzgern, wie stehen Sie zu dem Einsatz von Schallkanonen zur Grenzsicherung?
Gerald Tatzgern: Diesbezüglich fehlt es mir ehrlich gesagt an Erfahrungswerten aus der Praxis. Zum einen stellt sich die Frage: Wie abschreckend bzw. effektiv sind diese tatsächlich. Kann man sich zum Beispiel mit Ohropax schützen. Und zum anderen: Gibt es gesundheitliche Auswirkungen - vor allem hinsichtlich Kinder und älterer Menschen. Aber grundsätzlich ist meine persönliche Meinung: Jedes Mittel, das Menschen nicht unmittelbar schadet und sie abhält, ist okay - sofern es dem Schutz der Grenzen dient.

Wie sieht denn die aktuelle Lage an der griechisch-türkischen EU-Außengrenze aus?
Die Lage vor Ort ist trotz leicht rückgängiger Zahlen nach wie vor sehr angespannt. Aktuell sind die versuchten Grenzübertritte aus der Türkei überschaubar - die Situation kann aber täglich umschlagen. Und das wissen die griechischen Behörden natürlich - und rüsten sich daher für alle Eventualitäten.

Von wie vielen Flüchtlingen sprechen wir, die aktuell in der Türkei gestrandet sind?
Insgesamt sind es nach wie vor bis zu vier Millionen. Und allein in und rund um Istanbul, also nur eineinhalb Stunden Autofahrt von der EU-Außengrenze entfernt, halten sich derzeit mehr als eine Million Migranten auf. Hauptsächlich syrische und afghanische Flüchtlinge. Und von diesen sind die meisten sprichwörtlich am Sprung ...

Klaus Loibnegger
Klaus Loibnegger
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